12.05.2025 11:27
Neubau Huber Kunststoff AG kurz vor der Vollendung
Die seit über 50 Jahren in Gossau angesiedelte Huber Kunststoff AG wird im Vorsommer dieses Jahres ihre neue Fabrik im Industriegebiet Sommerau in Betrieb nehmen. Das top moderne Gebäude mit seinem markanten Erscheinungsbild ist ein Musterbeispiel für einen rundum gelungenen Produktionsbetrieb.
Die Huber Kunststoff AG zählt zu den führenden Herstellern von hochwertigen Kunststoffteilen und Lösungen für verschiedene Branchen und vielfältige Anwendungen. Die Produktion der Teile erfolgt im Spritzgiessverfahren. Dabei wird Kunststoffgranulat erhitzt bis es schmilzt und dann unter hohem Druck in eine Form eingespritzt. Nach dem Abkühlen und Erhärten wird das fertige Bauteil entnommen. Die Huber Kunststoff AG, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 1974 im Besitz der Familie Huber befindet, ist ein Musterbeispiel für die mittelständischen Industrieunternehmen, die das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft bilden.
Kontinuierliches Wachstum
Der Gossauer Kunststoffverarbeiter ist einer der wenigen Anbieter, die Werkzeugkonstruktion, Werkzeugbau und Spritzgiessproduktion unter einem Dach vereinigen, und ist mit diesem Angebotskonzept äusserst erfolgreich unterwegs. Im Laufe ihrer Firmengeschichte ist die Huber Kunststoff AG am angestammten Standort an der Peripherie der Stadt Gossau kontinuierlich gewachsen. Mit einem 2010 in Betrieb genommenen Erweiterungsbau konnte sie ihre Produktionskapazitäten verdoppeln. Acht Jahre später führte der Geschäftserfolg erneut zu Engpässen.
Entscheid für einen Neubau
Um die zunehmende Nachfrage aufzufangen, prüfte die Geschäftsleitung des Unternehmens, ob die Produktion am bestehenden Standort erneut erweitert werden sollte, oder ob der Bau einer neuen Fabrik in Frage kam. Für die Variante einer Erweiterung ging die Planung davon aus, dass ein Nachbargrundstück erworben werden konnte. Zudem bestand die Möglichkeit, den Erweiterungsbau aus dem Jahr 2010 aufzustocken. Ein Neubau hingegen würde Gelegenheit bieten, die Prozesse der Spritzgiessproduktion, des Werkzeugbaus und der Logistik neu zu strukturieren und die betriebliche Effizienz erheblich zu steigern. Da der Kauf des benachbarten Grundstücks nicht zustande kam, rückte der Bau einer von Grund auf neuen Fabrik in den Vordergrund.
Enge Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Fabrikplaner
Eine glückliche Fügung wollte es, dass die Huber Kunststoff AG im Industriegebiet Sommerau in unmittelbarer Nähe zum Zubringer A1 ein Stück Bauland erwerben konnte, das in der Grösse dem heutigen und zukünftigen Kapazitätsbedarf entsprach. Für die Planung der neuen Fabrik beauftragte das Unternehmen die Fabrikbauspezialisten der IE Engineering AG Zürich. Diese verfügen über langjährige Erfahrung im Bau moderner Produktionsunternehmen im Allgemeinen und in der Spritzgiessproduktion im Speziellen.
Bei der Planung von Fabriken geht die IE Engineering grundsätzlich vom Potenzial des Areals und der sinnvollen Organisation der Prozesse aus. Dies war auch beim Projekt der Huber Kunststoff AG der Fall. In einem ersten Schritt erstellten die Planer einen Masterplan für die langfristige Arealentwicklung. In einem zweiten Schritt entwickelten sie gemeinsam mit den Betriebsverantwortlichen der Huber Kunststoff AG ein Fabrikationskonzept mit optimal ausgelegten Strukturen und Abläufen.
Ein durchdachtes Produktionskonzept
Aus dem Plan ist mittlerweile Realität geworden. Im April dieses Jahres waren die Bauarbeiten auf dem Sommerau-Areal weit gediehen. Entstanden ist ein dreistöckiges Fabrikgebäude, das der Huber Kunststoff AG beste Voraussetzungen bietet, um ihre Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Die Spritzgiessproduktion ist im Erdgeschoss angesiedelt, der Werkzeugbau im zweiten Obergeschoss. Beide Geschosse werden direkt über Lean-Lift Systeme verbunden, die als Lager für Spritzgiesswerkzeuge und Ersatzteile dienen und so einen effizienten Materialfluss garantieren. An der nördlichen Seite in Richtung Autobahn schliessen sich das Schmalgang-Hochregallager und die Spedition an. Ein kleiner Anbau beherbergt die Entsorgung. An der Südseite des Gebäudes sind in einem markanten Kopfbau die Verwaltung und die Sozialräume untergebracht. Im zurückgesetzten dritten Obergeschoss steht der grosszügige Multifunktionsraum für Mitarbeitende und Kundenanlässe zur Verfügung.
Für die Zukunft gebaut
Das Gebäude ruht auf einem soliden Fundament von 224 Pfählen. Eine bauliche Besonderheit ist die 80 Zentimeter starke Geschossdecke zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss. In von den Fabrikplanern der IE Engineering Zürich AG initiierten Tests hat sich gezeigt, dass diese Konstruktion erforderlich ist, um die Übertragung von Schwingungen zwischen den rotierenden Werkzeugmaschinen und der hoch präzisen, empfindlichen Erosionsmaschinen auf diesem Obergeschoss zu verhindern.
Die neue Fabrik der Huber Kunststoff AG ist ein Musterbeispiel für zeitgemässe Industriearchitektur, die sich an der Funktion orientiert, aber auch aus ästhetischer Sicht überzeugt. An der Lage direkt neben der A1 setzt der Neubau ein unübersehbares Zeichen für die Stärke und Innovationskraft schweizerischer Industrieunternehmen.
Reto Huber, Inhaber und Geschäftsführer: «Der Neubau unserer Fabrik markiert einen Meilenstein in der Geschichte unseres Unternehmens. Mit unserer neuen Fabrik verfügen wir über eine hoch effiziente und zukunftsfähige Infrastruktur.»
Ambitionierte Nachhaltigkeitsziele
Die Huber Kunststoff AG bekennt sich klar zu nachhaltigen Produktionsmethoden und einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Das Unternehmen verzichtet grundsätzlich auf den Einsatz fossiler Brennstoffe. Es setzt konsequent auf Strom aus natürlichen Quellen, auf die Nutzung von Abwärme sowie auf Kälte- und Wärmepumpen, die Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in Einklang bringen.
Erste PV-Freiflächenanlage in der Region
Eine wichtige Rolle spielt die Eigenproduktion von kostengünstigem Strom: Auf dem Dach des neuen Fabrikgebäudes wird eine Photovoltaikanlage mit 468 Panels installiert. Zusätzlich lässt das Unternehmen auf der freien Parzellenfläche ebenerdig einen Solarpark mit 1335 Panels errichten. Mit dieser PV-Freiflächenanlage – die erste in der Region Gossau – realisiert die Huber Kunststoff AG ein eigentliches Vorzeigeprojekt im Bereich der nachhaltigen Energiegewinnung. Mit der Bepflanzung unter den Panels leistet das Unternehmen zudem einen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität.
Die PV-Anlage auf dem Dach erbringt eine Spitzenleistung von ca. 195 kWp (Kilowatt-Peak), die PV-Freiflächenanlage bringt es auf ca. 581 kWp. Das Kürzel kWp bezeichnet die maximale elektrische Leistung, die eine Solaranlage unter idealen Bedingungen erbringen kann.
Die Zukunft mitgedacht
Wo heute die PV-Freiflächenanlage aufgebaut wird, kann das Fabrikgebäude in einer zweiten Etappe bei laufendem Betrieb erweitert werden. Denkbar ist beispielsweise die Einrichtung von weiteren Produktions- und Montageräumen. Wenn es so weit ist, werden die PV-Module auf das Dach der Erweiterung wandern.
Fabrikbau ist Teamwork
Die erfolgreiche Projektierung einer Fabrik basiert auf Teamwork zwischen Auftraggeber und Planern. Entscheidende Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit und den Projekterfolg sind Branchenkompetenz und Prozess-Know-how auf Seiten der Planer. Diese müssen sich mit den strategischen Zielsetzungen des Fabrikbetreibers identifizieren und dieselbe Sprache sprechen wie die betriebsinternen Fachkräfte.
Die Planung der neuen Fabrik für die Huber Kunststoff AG stand von Anfang an unter einem guten Stern. Sie war geprägt von einem permanenten Dialog auf Augenhöhe zwischen der Bauherrschaft und den Fabrikplanern der IE Plast Engineering Zürich, die das Projekt als Totalunternehmer führte und begleitete. Das Ergebnis überzeugt: Nach einer Planungszeit von 18 Monaten und einer Bauzeit von 22 Monaten wird der Neubau im Juni dieses Jahres für die Installation der Anlagen bereitstehen.
Einige Kennzahlen:
Geschossfläche: 9’660 m²
Gebäudevolumen: 57’726 m³
Gebäudehöhe Produktion: 15 m
Gebäudehöhe Attika: 19 m
Nutzfläche Spritzgiessen: 1‘377 m²
Nutzfläche Werkzeugbau: 1‘080 m²
Kapazität Schmalganglager: 1‘200 Palettenplätze
Tiefgarage: 64 Einstellplätze