Das Areal St.Gallen West – Gossau Ost (ASGO) soll weiter verdichtet werden. tb
19.06.2025 09:12
«Verkehrliche Feinverteilung im ASGO-Gebiet optimieren»
Stadtpräsident Wolfgang Giella beantwortet kritische Fragen zur Entwicklung des ASGO-Areals
Auf dem Areal St.Gallen West – Gossau Ost (ASGO) kommen gemäss der Entwicklungsplanung des gleichnamigen Vereins bis 2050 zu den aktuell 15'500 Arbeitsplätzen weitere 7'500 hinzu. Ein koordiniertes Vorgehen von Behörden, Wirtschaftsverbänden und Grundeigentümern soll dies möglich machen.
Arealentwicklung Die Entwicklungsplanung unterteilt das ASGO-Gebiet in fünf Teilgebiete. Aus Gossauer Sicht kommen dem in der Arealmitte gelegenen Kernstück «Produktion und Logistik Gossau Ost» als Hauptstandort für Gross-handel und Produktion und dem «Bahnhofquartier Gossau Ost» besondere Bedeutung zu. Weshalb er an die ASGO-Entwicklungsplanung glaubt, obwohl die Gemeinden bei verschiedenen Fragen gar kein Mitspracherecht haben, die Parlamente nach Sparmöglichkeiten suchen und die Verkehrsinfrastruktur bereits heute am Anschlag ist, erklärt Stadtpräsident Wolfgang Giella.
Wolfgang Giella, Absichtserklärungen sind schön und gut. Aber was, wenn die Grundeigentümer bei der inneren Verdichtung nicht mitmachen?
Es können aufgrund der Gesetzgebung keine weiteren Einzonungen bewilligt werden. Die Innenentwicklung ist also vorgegeben. Damit diese Innenentwicklung funktioniert, muss die Erschliessung über die verschiedenen Strassenkörper gewährleistet sein, die derzeit aber nahe an der Überlastung sind. Somit müssen die diversen Vorhaben im Perimeter koordiniert ablaufen.
Auch beim Ausbau des Bahnhofs zu einem KV-Terminal oder gar einer Cargo-Sous-Terrain-Lösung sind die ASGO-Partner von Externen abhängig. Wie will man da Einfluss nehmen?
Es ist derzeit tatsächlich unklar, ob der KV-Terminal oder CST dereinst kommen werden. Zuständig für solche Geschäfte ist in erster Linie der Kanton, der mit dem Bund im Austausch ist oder die Firmen, die im Verwaltungsrat von CST sitzen. Aber die betroffenen Städte und Gemeinden bringen in Arbeitsgruppen ihre Interessen ebenfalls mit ein. Gossau hat vor allem das Interesse, den Lastenverkehr aus dem Siedlungsgebiet zu bringen und wird sich in diesem Sinne einbringen. An den Bahnausbau glaube ich, da er sowohl für den Güter- als auch für den Personenverkehr unverzichtbar sein wird.
Eine weitere Schwierigkeit könnte die Finanzierung der ASGO-Aktivitäten betreffen. Wird das Gossauer Parlament zukünftige Kredite sprechen?
Der Grossteil der Kosten fällt beim Kanton an, da die Optimierungen der Verkehrsknoten die Kantonsstrasse betreffen. Die Industriestrasse gehört uns, hier sind wir schon dran. Auch die im Perimeter arbeitenden Unternehmen müssen investieren. Wir sprechen von einem Zeitraum bis 2050. Spricht man die Kredite aus finanzpolitischen Gründen nicht, werden die Folgekosten für die entsprechenden Gemeinden massiv höher ausfallen, da auch das Wirtschaften im Perimeter komplizierter würde.
Lässt sich schon beziffern, was das Engagement des Vereins kosten wird?
Für die Stadt Gossau werden es Koordinationskosten sein, die sich vor allem in Personalkosten niederschlagen. Ich kann sie noch nicht beziffern, da man auch die «Ohnehinkosten» berücksichtigen muss. Und je nach Infrastrukturprojekt wird es Kostenteiler geben, die uns auch betreffen.
Das Bahnhofsquartier Ost soll städtebaulich aufgewertet und zu einem dicht bebauten Arbeits- und Wohnstandort werden. Welche Möglichkeiten sehen Sie in diesem Areal?
Das Areal Bahnhof Nord-Ost wird das ganze Bahnhofsgebiet von Gossau massiv verändern und urbanisieren. Die Chancen liegen sicher im Bevölkerungszuwachs, in neuen Gewerbeformaten, Fachgeschäften, die sich dort ansiedeln und der neuen baulichen Qualität im ganzen Bereich, welche Gossau massiv aufwerten wird. Es werden mehrheitlich Wohnmöglichkeiten realisiert. Aber es braucht vor Ort auch Gewerbemöglichkeiten.
Zum Verkehr: Die ASGO-Partner machen sich für einen zusätzlichen Autobahnanschluss für die Gossauer Industrie stark. Wer lobbyiert da auf welche Weise beim ASTRA?
Der Kanton verhandelt mit dem Bund, also mit dem ASTRA. Die Wirtschaft und die Kommunen rufen das Bedürfnis gegenüber dem Kanton in Erinnerung. Ein gutes Gefäss hierfür ist die Regio Appenzell AR-St.Gallen-Bodensee. Ich schliesse nicht aus, dass auch einzelne Grossunternehmungen mit dem ASTRA sprechen.
Die ASGO spricht von Mobilitätshubs an den Bahnhöfen Gossau, Herisau und Winkeln. Einen Ausbau der Geleise können aber nur die SBB beschliessen. Was ist gemeint mit Mobilitätshub?
Es geht darum, die verkehrliche Feinverteilung im ASGO-Gebiet zu optimieren, um zum privaten Autoverkehr bessere und attraktive Alternativen anbieten zu können. Dafür müssen Punkte definiert werden, wo sich die verschiedenen Infrastrukturen treffen, was die genannten Bahnhöfe sind. Funktionieren die Verteilmechanismen, kann der Kanton so bei der SBB aufzeigen, dass das Bedürfnis da ist und einen Teilausbau anregen. Das wird Zeit kosten, aber ich halte das für durchaus umsetzbar.
Wenn der Busfahrplan enger getaktet oder gar eine neue ASGO-Linie eingeführt werden soll: Wer kommt für die Mehrkosten auf und können das die ASGO-Partner selbstständig beschliessen?
Auch hier wird das Verfahren wie üblich ablaufen: Der Kanton ist der Besteller, er entscheidet schlussendlich. Es gibt einen Kostenschlüssel zwischen Kanton und Gemeinden. Allenfalls beteiligen sich sogar einzelne Unternehmungen, falls sie direkt profitieren und im Idealfall den einen oder anderen Parkbereich aufheben und überbauen können.
Die Rede ist weiter von attraktiven Begegnungsräumen. Ist das realistisch in diesem Gebiet? Weshalb sollten Grundeigentümer ihren Boden zur Verfügung stellen für eine solche Nutzung?
Die Begegnungsräume sind teilweise schon vorgegeben und liegen zum Grossteil auf öffentlichem Grund. Es geht dabei nicht nur um «Begegnung», sondern auch um Möglichkeiten, auf einem grossen versiegelten Gebiet klimatische Ausgleichsräume zu erstellen. Ich bin zudem überzeugt, dass es auch im Interesse der Unternehmen ist, ihren Mitarbeitenden solche Räume in besserer Qualität anzubieten. Das erhöht nämlich die Attraktivität als Arbeitgeber. Und einige dieser Unternehmen haben schon einiges getan für arealinterne Angebote.
Zusammengefasst: Wie kann die gemeinsame Planung helfen, übergeordnete Ziele zu erreichen, wenn schliesslich doch überall Teilprojekte nötig sind?
Die ganze Planung wird rollend umgesetzt. Die Stärke des Konzepts liegt darin, dass man iterativ und unabhängig entwickeln kann. Auf einem solchen überbauten und vitalen Gebiet wie es ASGO umfasst, kann man nur in Teilprojekten arbeiten.
Interview: Tobias Baumann