Fabian Diem
will eine Weiterentwicklung der Stiftung Zeitvorsorge forcieren.
Das Team des Heilsarmee Brockis Gossau-St.Gallen mit Leiter Moris Nardi (vorne links). z.V.g.
Auf über 2'500 Quadratmetern bietet die Brocki eine schier unbegrenzte Auswahl an Kleidern, Einrichtungsgegenständen, Möbeln, Büchern, Dekorationsartikeln und vielem mehr. Insbesondere nachhaltigkeitsbewusste Personen und solche mit beschränktem Budget bilden die Zielgruppe.
Industriestrasse 135 «Wir verkaufen alles, was sauber und intakt ist. Grundsätzlich probieren wir, allen Artikeln eine zweite Chance zu geben», erklärt Moris Nardi, Filial-leiter der Heilsarmee Brocki Gossau-St.Gallen. Und der Warenstrom in der Annahme ist ungebrochen. «Die Spendenmenge hat massiv zugenommen. Wir müssen uns etwas einfallen lassen, um auch zukünftig alles entgegennehmen und allenfalls lagern zu können», erzählt Nardi. Obwohl der Weiterverkauf von gespendeten Waren das Geschäfts-modell der Brocki ausmacht, steht der Filialleiter der Überflussgesellschaft durchaus kritisch gegenüber: «Was täglich bei uns abgegeben wird, macht deutlich, wie schnell Dinge ersetzt werden. Wer einmal hinter die Kulissen der Warenannahme blickt, gewinnt oft ein neues Bewusstsein für nachhaltigeres Einkaufen.» Angesichts der Ressourcenknappheit sei das ständige Mehr und Günstiger ein schlechter Trend. Dabei nimmt der 54-Jährige insbesondere seine Generation in die Pflicht. «Viele junge Leute kaufen inzwischen deutlich bewusster ein, als wir das getan haben oder immer noch tun», analysiert er.
Die nachhaltigkeitsbewussten Personen hätten sich denn auch zur zweiten grossen Käufergruppe in der Heilsarmee Brocki entwickelt, nachdem früher vorwiegend Personen mit beschränkten finanziellen Mitteln hier eingekauft hätten. «Die Heilsarmee Brocki ist für alle da; bei uns soll sich jede und jeder etwas leisten können. Entsprechend haben wir immer auch preiswerte Artikel in unserem Sortiment», erzählt Nardi. Doch für Liebhaber-Stücke und bekannte Marken dürften sie durchaus etwas höhere Preise verlangen. «Wir haben Kundschaft, die bereit ist, diese Preise zu bezahlen. Und unser Gewinn kommt vollständig den Hilfswerken der Heilsarmee Schweiz zugute», erklärt Nardi. Neben den nachhaltigkeitsbewussten Personen fänden auch Schnäppchenjäger oder Schatzsucherinnen den Weg ins Brocki. «Kauft man beispielsweise bei uns ein T-Shir,t ist die Chance sehr klein, dass in der Vorlesung eine weitere Person mit dem gleichen Kleidungsstück aufkreuzt», gibt der Filialleiter ein Beispiel aus dem Textil-bereich. Weniger erfreulich sei, dass die Brocki aber aufgrund des Fast-Fashion-Trends regelrecht überschwemmt werde mit Textilien. «Wir arbeiten mit Tell-Tex zusammen. Früher musste dieser einmal pro Woche Kleider abholen, inzwischen sind es drei Mal», erzählt Nardi.
Auch in anderen Bereichen gebe es Produkte, die entsorgt werden müssen. «Das lässt sich nicht verhindern. Aber bevor wir Produkte entsorgen, wird versucht, diese dank besserer Platzierung oder Preisnachlass doch noch zu verkaufen», berichtet Nardi. Liebhaberstücken gebe man gerne auch mal etwas mehr Zeit. Die jeweiligen Secondhand-Spezialisten hätten das Auge für die richtige Platzierung. Generell ist der Leiter voll des Lobes für sein Team. Neben dem zehnköpfigen Kernteam arbeiten jeweils auch zwei Zivildienstleistende sowie fünf bis sechs Freiwillige in der Brocki. «Aktuell haben wir vor allem ukrainische Frauen, die uns unterstützen, da sie sich integrieren und Deutsch lernen wollen», erzählt Nardi. Angesichts der gestiegenen Waren-menge seien sie auf die Freiwilligen angewiesen: «Sie sind eine gewaltige Entlastung!»
Dass Nardi selbst vor anderthalb Jahren den Weg in die Brocki fand, hat viel mit den Führungsgrundsätzen des Unternehmens zu tun. «Früher arbeitete ich jahrelang als Verkäufer in Möbelgeschäften. Doch nachdem eine grosse Kette alle aufgekauft hat, konnte ich mich mit den Unternehmenswerten nicht mehr identifizieren», erzählt er. Bei den Grundsätzen der Brocki ist das anders. Nardi selbst hat keine persönliche Verbindung zur Heilsarmee. «Der CEO der Heilsarmee Brockis vertritt zwar die Heilsarmee, doch im täglichen Betrieb geniessen wir einen weiten Handlungsspielraum», betont er. Entscheidend seien vielmehr klare und nachvollziehbare Verkaufsgrundsätze. So verzichte man bewusst auf den Verkauf von pornografischem Material oder Waffen. «Eine Buddha-Statue hingegen darf bei uns durchaus ihren Platz haben», sagt Nardi schmunzelnd.
Wie überall im Detailhandel ist das Weihnachtsgeschäft auch für die Brocki Gossau-St.Gallen von grosser Bedeutung. «November und Dezember sind die beiden umsatzstärksten Monate», erklärt der Filialleiter. Als sie in diesem Jahr bereits am 25. Oktober die Weihnachtssaison eröffneten, seien die Leute vor dem Geschäft Schlange gestanden. Generell ist Nardi mit dem Besucheraufkommen sehr zufrieden: «Gerade am Samstag kommt man manchmal kaum mehr durch die Gänge. Die Frequenzen sind sehr gut bei uns».
Von Tobias Baumann
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