Oskar Seger
schaut mit Vorfreude auf die bevorstehenden Fasnachtstage.
Das Volkskundemuseum Stein (rechts) hat wieder geöffnet.
Im April letzten Jahres gab das Volkskundemuseum, beziehungsweise die Genossenschaft, die Schliessung bekannt. Nun, etwas mehr als ein Jahr später hat das Museum mit reduzierten Öffnungszeiten geöffnet. Doch noch ist die finanzielle Situation nicht abschliessend geklärt.
Museum «Vorübergehend geschlossen» hiess es für rund ein Jahr an der Tür des Volkskundemuseums in Stein. Aufgrund der finanziellen Situation musste die Genossenschaft 2024 die Türen schliessen sowie die Mitarbeitenden entlassen. «Wir hatten aufgrund der Finanzen gar keine andere Wahl», sagt Max Nadig, der heutige Präsident des Volkskundemuseums. Er kam interimsmässig hinzu, als die Schliessung und die Kündigungen schon ausgesprochen waren. «Nachdem der ehemalige Präsident Charles Lehmann verstarb, haben wir die Generalversammlung im Herbst 2024 nachgeholt», sagt Nadig. Man habe aufgezeigt, was die nächsten Schritte sein würden. Nadig übernahm das Präsidium. «Als ich die Zusicherung für eine Übergangsfinanzierung von Stiftungen erhielt, wussten wir, dass es irgendwie weitergehen kann», so Nadig. Da die Museumsleiterin damals noch im Mutterschutz war, übernahm Nadig auch Aufgaben im Betrieb. «Auch wenn das Museum geschlossen war, mussten wir schauen, das alles läuft. Wir können die Gegenstände im Museum nicht alleine lassen», meint Nadig. Inzwischen kann er sich auf die strategische Weichenstellung konzentrieren. Doch wie geht es denn mit dem Museum nun weiter? Es hat inzwischen donnerstags und sonntags wieder geöffnet. «Da das Gebäude für unsere finanzielle Schieflage 'verantwortlich' ist – Unterhalt, Sanierungsbedarf und Abschreibungen – wollen wir das Gebäude verkaufen», erläutert Nadig. Man strebe eine enge Zusammenarbeit mit der Schaukäserei an und wolle ein neues Museumskonzept erarbeiten.
Bis allerdings diese zwei Dinge umgesetzt werden können, gelte es, den Verkauf zu klären und weiter an der Arealentwicklung mitzuarbeiten. «Gemeinsam mit der Gemeinde, dem Kanton und der Schaukäserei möchten wir ein neues Projekt aufbauen – da stecken wir derzeit mittendrin», sagt Nadig. Das Projekt beinhaltet eine viel engere Zusammenarbeit. «Wir wollen Synergien nutzen – beim Personal, dem Shop und in weiteren Bereichen. Daher wollen wir unser Gebäude an die Schaukäserei verkaufen», sagt Nadig. Da sei aber noch nichts in trockenen Tüchern, bis zur Generalversammlung Ende Juni solle aber alles geklärt sein.
Stand jetzt könne der Museumsbetrieb bis Mitte Juni aufrechterhalten werden. «Können wir die Liegenschaft verkaufen, kommen wir in eine Lage, in der wir wieder mit offensiveren Öffnungszeiten planen können», sagt Nadig. Dann sei aber der wichtigste Punkt, alles wieder aufzubauen. «Wir haben keine Mitarbeitenden mehr und können diese erst suchen, wenn wir mehr wissen», sagt der Präsident. Den Spielraum, den man durch den Verkauf hätte, will die Genossenschaft jedenfalls nutzen. «Je nachdem, wie das neue Projekt final aussehen wird, müssen wir das Museum nochmals schliessen. Dann würde ein Umzug für uns anstehen und diese Übergangsphase will auch geplant werden», sagt er.
Sei alles definitiv, werde das neue Museumskonzept erarbeitet – denn ohne die jetzige Liegenschaft wäre die Ausstellungsfläche um rund einen Drittel kleiner. «Die Ausstellung soll weniger statisch sein als heute, damit wir flexibler in der Umgestaltung sind. Nach wie vor soll es aber Sonderausstellungen geben», meint Nadig. Entscheidend, dass das Gebäude verkauft werden und das Areal neu genutzt werden kann, ist die Ortsplanung der Gemeinde Stein – vor allem für die Schaukäserei, die ein Hotel planen möchte. «Unser Gebäude sowie der Parkplatz sind derzeit nicht in der öffentlichen Zone. Diese Parzellen müssten umgezont werden, damit die Pläne aufgehen», sagt Nadig. Ansonsten könnten sich die Schaukäserei und das Museum nicht neu entwickeln. Die Ortsplanung der Gemeinde soll Ende 2025 oder Anfang 2026 abgeschlossen sein.
Die Freude der Besucherinnen und Besucher, dass das Museum nun wieder geöffnet hat, sei gross. «Wir hatten schon an Weihnachten und am Neuen Silvester offen – man merkt, wie sehr das die Leute freut. Ein geschlossenes Museum ist etwas vom Schlimmsten – für uns und die Gäste», so Nadig. Auch wenn die Genossenschaft gerne öfters offen hätte: es gelte, auf die Finanzen zu achten. Derzeit arbeitet man an einer neuen Sonderausstellung – mit der Stiftung für appenzellische Volkskunde. «Von dieser haben wir den Grossteil der Ausstellungsgegenstände. Nun sind neue Dinge in der Sammlung gelandet, die wir zeigen wollen. Das zeigt, dass die Museumswelt noch lebt.» Ende Juni müssen die Genossenschafter an der GV dem Verkauf der Liegenschaft zustimmen. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass der Verkauf funktionieren wird. Es besteht daher auch noch kein Plan B.»
Stefanie Rohner
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