Fabian Diem
will eine Weiterentwicklung der Stiftung Zeitvorsorge forcieren.
Links oben: Wärmeauskopplung ARA Bachwis, Mitte: Erdsondenfeld und Wärmepumpenzentrale Ebnet. Rechts oben: Holzheizkraftwerk Kreckel. SAK
Basierend auf den Erkenntnissen des Masterplans Energie hat Herisau eine Ausschreibung für die Entwicklung, Realisierung und den Betrieb thermischer Netze gestartet. Den Zuschlag erhielt die SAK.
Energie Im Rahmen des Projekts werden zwei neu geplante Teil-netze zu einem grossflächigen, effizienten Wärmenetz zusammen-geführt – ein weiterer Schritt in Richtung klimafreundliche Energiezukunft in der Region. Das Wärmenetz basiert auf erneuerbaren Energiequellen, fossile Energieträger kommen nicht zum Einsatz. «Der Masterplan Energie der Gemeinde zeigt, dass der grösste Hebel für die Reduktion der lokalen CO₂-Emissionen im Wärmesektor liegt. Noch immer wird ein erheblicher Teil der rund 260 Gigawattstunden Wärme, die Herisau jährlich benötigt, mit Erdgas und Heizöl erzeugt», sagt Peter Künzle, Gemeinderat von Herisau. Im Zentrum und entlang der Hauptachsen der Gemeinde weise der Masterplan eine besonders hohe Wärmedichte aus – in diesen Gebieten seien die Voraussetzungen für die Wirtschaftlichkeit von Wärmeverbunden besonders günstig. Gleichzeitig habe die Analyse gezeigt, dass in und um Herisau bedeutende erneuerbare Energiequellen vorhanden sind, die bisher kaum genutzt werden: Abwärme aus Abwasserreinigung und Industrie, lokale Holzpotenziale sowie Erdwärme. «Diese Erkenntnisse haben die strategische Richtung vorgegeben: Anstatt auf viele kleine Einzelheizungen zu setzen, soll eine koordinierte, gebündelte Lösung geschaffen werden, die diese lokalen Potenziale nutzt und langfristig fossile Energieträger ersetzt», so Künzle. Im Masterplan wird zudem festgehalten, dass in gewissen Gebieten im Zentrum aufgrund der dichten Siedlungsstruktur Einzellösungen kaum oder nur mit sehr hohen Kosten realisierbar wären.
«Der Masterplan hält zudem fest, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren verändert haben – erneuerbare Wärme ist heute konkurrenzfähig, während fossile Energien teurer und risikobehafteter geworden sind», meint Künzle. Auf dieser Grundlage fiel der Entscheid, ein grossflächiges, ausbaubares Wärmenetz zu planen, das die diversen erneuerbaren Quellen verbindet und eine zukunftssichere, klimafreundliche Versorgung gewährleistet.
In der Ausschreibung suchte die Gemeinde einen erfahrenen regionalen Partner, der die Entwicklung, Realisierung und den langfristigen Betrieb des neuen Wärmeverbunds übernehmen kann. «Dabei waren mehrere Kriterien ausschlaggebend: An erster Stelle stand das Versorgungskonzept, insbesondere im Hinblick auf den konsequenten Einsatz erneuerbarer Energien, den Umgang mit Kälte sowie die Innovationskraft des vorgeschlagenen technischen Ansatzes. Ebenso spielte der Preis eine wichtige Rolle, um eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für alle Beteiligten sicherzustellen», meint Künzle. Darüber hinaus wurde grosser Wert auf die Erfahrung des Anbieters in vergleichbaren Projekten gelegt – insbesondere auf nachweisbare Referenzprojekte, die zeigen, dass der Partner in der Lage ist, komplexe Wärmenetze erfolgreich zu planen, zu bauen und zu betreiben.
«Die SAK konnte in allen Punkten überzeugen: Sie verfügt über umfassende Erfahrung mit regionalen Wärmeverbundprojekten, hat ein technisch ausgereiftes und auf erneuerbaren Quellen basierendes Konzept vorgelegt und konnte gleichzeitig ein wirtschaftlich attraktives Angebot präsentieren», sagt Künzle. Auch die SAK freut sich über die Zusammenarbeit. «Die Umsetzung des Projekts ist ein starkes Zeichen für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Energieversorger. Wir sind überzeugt, dass das neue Wärmenetz einen echten Mehrwert für die Bevölkerung schafft – ökologisch, wirtschaftlich und langfristig tragfähig», sagt Adriano Tramèr, Leiter Geschäftsbereich Produktion und Mitglied der Geschäftsleitung der SAK.
Das Vorhaben hat für die Klimastrategie und die Energiezukunft grosse Bedeutung. «Das Vorhaben ist ein konkreter Umsetzungsbaustein der kommunalen Klimastrategie, wobei die Gebäude den grössten Hebel für die CO₂-Reduktion darstellen: Durch den Ersatz fossiler Heizungssysteme in Wohn- und Geschäftsbauten werden die lokalen Emissionen deutlich gesenkt», sagt Künzle. Gleichzeitig erhöhe das Projekt die Nutzung regionaler, erneuerbarer Energiequellen. Ein systematisches Wärmenetz stärke auch die Resilienz der lokalen Energieversorgung, schaffe Planbarkeit und zentrale Effizienzgewinne und stelle eine der zentralen Massnahmen des Energie- und Klimakonzepts 2035 dar. Die Umsetzung des Projekts erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Energieversorger. «Seit der Ausschreibung liegt die Projektleitung beim Energieversorger SAK, der für die detaillierte Planung, die technische Ausgestaltung sowie später für den Bau und den Betrieb des Wärmenetzes verantwortlich ist. Die Gemeinde Herisau unterstützt die SAK insbesondere in der Planungsphase, bei der Kommunikation mit der Bevölkerung und durch die politische Begleitung des Projekts», sagt Künzle. Damit sei sichergestellt, dass das Vorhaben eng mit den strategischen Zielsetzungen der Gemeinde – insbesondere mit dem Masterplan Energie und den klima-politischen Leitlinien – abgestimmt bleibe. «Im Rahmen des noch zu erarbeitenden Vertrags werden die Bedingungen festgelegt, die für die Energie- und Klimapolitik der Gemeinde zentral sind. Dazu gehören Anforderungen an den Anteil erneuerbarer Energien, die langfristige Wirtschaftlichkeit, Aspekte der Versorgungssicherheit sowie die Berücksichtigung lokaler Wertschöpfung. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass das Projekt nicht nur technisch und wirtschaftlich überzeugt, sondern auch einen spür-baren Beitrag zu den energie- und klimapolitischen Zielen Herisaus leistet», sagt Künzle.
Mit dem Projekt setzt Herisau ein sichtbares Zeichen für die regionale Energiewende. «Ein klimafreundliches, regional betriebenes Wärmenetz erhöht die Energieautonomie, weil lokale Ressourcen (Abwärme, Geothermie, etc.) genutzt werden, es reduziert Abhängigkeit von fossilen Importen und stärkt die regionale Wertschöpfung (Bau, Betrieb, lokale Dienstleister). Solche Infrastruktur verbessert die Standortattraktivität für Gewerbe und Wohnbau, weil Versorgungssicherheit und nachhaltige Energieversorgung heute wichtige Standortfaktoren sind», ist Künzle sicher. Er wünscht sich, dass das Projekt nicht nur technisch erfolgreich und klimawirksam wird, sondern auch sozial verträglich. «Mit fairen Anschluss-konditionen, starker Information und Partizipation sowie sichtbaren lokalen Vorteilen (Arbeitsplätze, stabile Wärmepreise)», sagt Künzle. Optimal wäre ein Vorzeigeprojekt für die Region. «Eines, das emissionsarm, wirtschaftlich tragfähig und replizierbar ist, sodass die Energiewende vor Ort beschleunigt und Herisau als nachhaltiger und zukunftsfähiger Standort gestärkt wird.»
Stefanie Rohner
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