Fabian Diem
will eine Weiterentwicklung der Stiftung Zeitvorsorge forcieren.
Am 28. September wird in Stein darüber abgestimmt, ob die Feuerwehr eigenständig bleibt oder dem Zweckverband Teufen Bühler Gais (TBG) beitritt. Das sorgt innerhalb des Feuerwehrkorps für geteilte Meinungen, gar Unstimmigkeiten. Die Regionale Feuerwehr Vorderland hat damit seit 2005 Erfahrungen – und berichtet vorwiegend von Vorteilen.
Feuerwehren 1998 starteten in den Gemeinden Heiden, Grub Ausser-rhoden, Eggersriet und Grub St.Gallen dieselben Diskussionen, wie sie nun im ausserrhodischen Stein geführt werden. Auch dort waren sich bestimmt nicht alle einig, doch nach einem langen Weg entstand 2005 die Regiwehr Heiden-Grub-Eggersriet, 20 Jahre später zum Jubiläum wurde aus der Regiwehr die Regionale Feuerwehr Vorderland, die ihr Einzugsgebiet in den Kantonen Ausser- und Innerrhoden sowie St.Gallen hat. «Es bestehen viele positive Aspekte. Wir mussten zum Beispiel keine Beschaffungen mehr machen, da ein Depot aufgelöst wurde und der Stützpunkt Heiden bestand. Wir konnten Fahrzeuge aus dem Budget streichen, was alles günstiger gemacht hat», sagt Dani Stämpfli, Kommandant der Regionalen Feuerwehr Vorderland. Seit Anfang des Jahres ist auch die Feuerwehr Walzenhausen Teil des Verbunds.
«Das hilft uns nun bei der Subventionierung neuer Fahrzeuge – wir erhalten 70 Prozent Zuschlag von der Gebäudeversicherung Assekuranz», so Stämpfli. Das sei bei Verbunden ab fünf Gemeinden der Fall. Der Kommandant sagt klar: die Vorteile eines Verbunds überwiegen. «Wir haben mehr Instruktoren, mehr Leute in der Tagesverfügbarkeit, mehr Know-how und alle sind wissens- und arbeitstechnisch auf demselben Niveau», sagt Stämpfli. Die Anforderungen und Aufgaben, die Feuerwehrleute heute erfüllen müssen, sind in den letzten Jahren stetig angestiegen, die Arbeit ist mehr geworden. «Ich kann mir kaum vorstellen, wie das heute ein einzelner Kommandant leisten kann – meist arbeiten diese ja 'nebenbei' noch hundert Prozent», so Stämpfli. Bei der Regionalen Feuerwehr Vorderland sind heute prozentmässig fast drei Vollamtliche ständig vor Ort, um stets auf das Alarmdispositiv eingreifen zu können. Auch die Feuerwehrkonzeption 2030 besagt, dass man die Einsatzbereitschaft stärken muss. «Wir haben zwar genügend, die in die Milizfeuerwehr eintreten, aber diese arbeiten teils ausserhalb der Gemeinden. Im Tagesdispositiv sind sie nicht im Einsatzgebiet. Das abzudecken wird künftig immer mehr zur Herausforderung», meint der Kommandant.
Für Stämpfli ist wichtig, dass jeder Angehörige der Feuerwehr sich fragt, weshalb er das überhaupt macht – ob nun im Verbund oder in der Eigenständigkeit. «Egal welche Lösung vorliegt: Es geht doch um die Sache und nicht um Befindlichkeiten. Wir haben uns entschieden, der Bevölkerung Hilfe zu leisten. Darum geht es und um nichts anderes. Natürlich ist das eigene Logo eine Identifizierung – aber ein neues ändert daran wenig bis gar nichts», so Stämpfli. Man müsse schauen, was mehr Sinn ergebe – und in welche Richtung es geht, sehe man seit 20 Jahren. «Das sind nun mal Zusammenschlüsse – alles wird professioneller, einfacher in der Organisation und zudem günstiger», betont der Kommandant. Das Ersteinsatzelement bleibe ohnehin das Depot der eigenen Gemeinde. «Einfach mit mehr Unterstützung durch den Verbund.»
Seit dem Zusammenschluss habe man in der Regionalen Feuerwehr Vorderland eine Überbesetzung. Bevor Walzenhausen dem Verbund beitrat, waren 110 Männer und Frauen im Verbund, nun sind es gar 145. «Wir sind überdimensioniert aufgestellt, denn draussen brauchen wir nicht so viele so genannte Ersteinsatzelemente – die Zugstufe dürfte mit 25 bis 30 Personen gut aufgestellt sein. Aber mit so vielen Mitgliedern sind wir andererseits für Grosseinsätze jederzeit einsatzbereit», sagt Stämpfli. Doch auch in einer Verbundlösung müssten sich noch einige Dinge ändern – vor allem im Hinblick auf die Zukunft. «Wir finden auch in der jungen Generation noch begeisterte Leute. Doch man darf nicht vergessen, dass in jenen Generationen die Freizeit immer wichtiger geworden ist. Heisst: man will weniger Übungen und Einsätze absolvieren», meint Stämpfli. Da sich aber auch die Arbeitswelt sehr verändert hat, muss auch die Feuerwehr neue Möglichkeiten schaffen. «Wir müssen offen sein für eine Kinderbetreuung, für Arbeitsplätze an denen Personen im Depot Homeoffice machen können, allenfalls sogar für Co-Working-Plätze», meint der Kommandant. Auch die Dezentralität von Arbeits- und Wohnort sei ein Thema. «Wir müssen die Firmen vor Ort einbinden. Schweizweit ist es eine Herausforderung, die aber nicht unlösbar ist. Das geht aber nur, wenn wir uns auch verändern», ist sich Stämpfli sicher. Ideal für ihn wäre, wenn künftig fünf bis sieben Vollamtliche auf Tagespikett wären, die immer verfügbar sind. «Abends kommt dann wieder die Miliz zum Einsatz.»
In Stein machten laut «Appenzeller Zeitung» die Vertreter für die Eigenständigkeit der Feuerwehr an der öffentlichen Veranstaltung keinen Hehl aus ihrem Unmut. Im Hinblick auf die Abstimmung vom 28. September rät Stämpfli den Befürwortern wie auch Gegnern, sich darauf zu besinnen, dass es immer um die Bevölkerung geht – und darum dieser zu helfen. «In einem Verbund verliert man nichts, im Gegenteil. Man gewinnt neue Kameradinnen und Kameraden und ein professionelles Feuerwehr-System, das gut funktioniert. Befindlichkeiten sind zurückzustellen, denn einer hilfesuchenden Person ist es im Endeffekt egal, wer sie beispielsweise aus dem Auto oder einem Brand befreit.»
Stefanie Rohner
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