Fabian Diem
will eine Weiterentwicklung der Stiftung Zeitvorsorge forcieren.
Die Autorin Ursula Häberli-Nef. sro
Die Herisauer Autorin Ursula Häberli-Nef möchte dazu anregen, sich stärker in die Sichtweisen anderer Menschen und Themen hineinzuversetzen, um unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Genau dieses gegenseitige Verständnis soll mithilfe von ChatGPT entstehen – so lautet der zentrale Gedanke ihres neuesten Buches.
Autorin Ein Stapel Bücher auf dem Tisch im Wohnzimmer zeugt davon, dass die gelernte Heilpädagogin Ursula Häberli-Nef keineswegs erst seit gestern Autorin ist. Mindestens zehn Bücher hat sie schon geschrieben, oftmals mit dem pädagogischen Fokus auf ADHS, aber auch Erziehungsfragen, Mobbing und Flucht hat sie thematisiert. Ihr neuestes Werk «Kreativ mit dem Chatbot – ein Persönlichkeitstest und ein Spiel» sticht dabei mit Format und Farbe hervor. Ein zentraler Persönlichkeitstest ist jener, der aufzeigt, ob eine Person linear oder vernetzt denkt. Im Buch ist dieser mit den Merkmalen «Rechner» oder «Kaleidoskop» beschrieben. Die diversen Arten, wie Menschen denken, faszinieren Häberli-Nef. Für sie ist entscheidend, wer man als Persönlichkeit sei – wie man handelt und denkt. «Ich wünsche mir, dass wir Menschen Facetten von vielen Themen betrachten und nicht nur eindimensional denken und handeln. So werden wir vielen Dingen nicht gerecht», sagt die Autorin.
Sie ist der Ansicht, dass genau dieses eindimensionale Denken entscheidend ist für die heutige Polarisierung – das sehe man in der aktuellen Politik in Deutschland und den USA sehr gut. Für die Autorin ist zentral, viele Fragen zu stellen. «Mir geht es stets darum, nicht immer nur eine Sichtweise zu erhalten. Wenn ich den Säntis mal von der anderen Seite betrachte, eröffnen sich ganz neue Bilder. So halte ich das auch mit der Perspektive auf andere Dinge des Lebens», so Häberli-Nef. Man müsse den Mut haben, Fragen zu stellen, egal welcher Art diese seien. «Beim Chatbot muss die Frage nicht gleich perfekt gestellt sein. So fragt man immer ein wenig anders und neu», so Häberli-Nef. Das Buch ist so konzipiert, dass man der KI Fragen stellt, um verschiedenen Seiten eines Themas zu erkunden. «Das wäre auch mit Schulklassen unter Begleitung von Lehrpersonen wunderbar möglich», sagt Häberli-Nef.
Auch mit Chatbot habe man keine Allwissenheit. «Die Welt ist komplex. Aber je mehr wir darüber wissen, wie wir denken, desto näher kommen wir an uns selbst und an eine Thematik heran», sagt Häberli-Nef. Ausserdem entstehe durch mehr Wissen mehr Akzeptanz für Personen und Themen. Das Buch soll anregen, Varianten zu finden. «Es gibt nie nur die eine Wahrheit. Aber viele Perspektiven.» Ihr sei wichtig, den Blickwinkel zu öffnen – das würde auch in der Politik helfen, nicht so verhärtet aufeinander zuzugehen, wie es in gewissen Ländern der Fall ist. «Man gewinnt nichts, wenn man immer nur gegeneinander arbeitet», so Häberli-Nef. ChatGPT soll für das Erlangen dieser erweiterten Sichtweisen, Werte oder Handlungsalternativen genutzt werden. «Viele haben die Sehnsucht, die Welt wieder besser zu verstehen. Das Buch ist aber genau deshalb spielerisch aufgebaut», sagt die Autorin. Sie selbst nutzt KI täglich, es erleichtere ihr ein Stück weit den Alltag. Ihr Buch ist illustriert mit Piktogrammen und passend zum Buch wurden diese mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. «Ich wünsche mir, dass es eine Bereicherung sein kann und die Erkenntnis bringt, dass man sich mit Fragen selbst öffnen kann», sagt Häberli-Nef.
Die Herisauerin freut sich über jeden, der ihre Bücher liest, davon leben könne sie nicht. Dennoch: Das Schreiben will sie auf keinen Fall aufgeben – es steht auch bereits eine neue Idee für ein mögliches nächstes Buch im Raum. «Ich möchte mich nochmals komplett dem ADHS widmen möchte, dann aber in voller Tiefe. Ich hoffe sehr, dass das Projekt zustande kommt», sagt die Autorin.
Stefanie Rohner
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