«Wer das Buch liest, sieht die Stadt mit anderen Augen»
Der in Herisau aufgewachsene Alessio Pras hat mit «Ben und das geheime Wissen aus der Stadt St. Gallen» seinen ersten Mystery-Roman geschrieben.
Alessio Pras mit seinem ersten Mystery-Roman. Bild: pd
Der in Herisau aufgewachsene Alessio Pras hat mit «Ben und das geheime Wissen aus der Stadt St. Gallen» seinen ersten Mystery-Roman geschrieben.
Kultur Der Debütroman von Alessio Pras spielt auf zwei Zeitebenen: im Jahr 1896 und in der Gegenwart. Sein Protagonist findet sich plötzlich in jenem Jahr, ohne zu wissen, weshalb. Ben ist ein Mann Mitte 30, der damit beginnt, Erker, Inschriften und Bilder in den Gassen der Stadt St. Gallen zu entschlüsseln. «Dabei entdeckt Ben verborgene Symbole und tiefere Ebenen – und kommt einem grossen Rätsel auf die Spur», fasst Pras den Rahmen der Geschichte grob zusammen. Seine Geschichte spielt in St.Gallen, aber auch Herisau ist Teil der Kulisse. «Die Geschichte hatte ich grob im Kopf, ich wusste einfach, dass ich es mystisch halten möchte», so Pras. Als wichtige Inspiration nennt der 39-Jährige die Serie «Dark», in der ein Junge spurlos verschwindet und in der Vergangenheit wieder erscheint. In Herisau fand Pras allerdings zu wenige historische und geheimnisvolle Orte, weswegen er sich vertieft mit St. Gallen beschäftigte. «Das ist ein bisschen schade, mein Herz ist noch immer dort, wo ich aufgewachsen bin.»
Doch die Kathedrale St. Gallen hat Pras schnell fasziniert und so befasste er sich mit deren Bauweise und stellte fest: Das ist längst nicht alles, was die Stadt an Mystik zu bieten hat. «Die Stadt hat unglaublich viele Orte, die Geschichten erzählen», sagt Pras begeistert. Eine Freundin unterstützte ihn während des Schreibens mit geheimem Wissen. Der grösste Teil der historischen Inhalte entspricht den Fakten. «Wer das Buch liest, sieht die Stadt danach mit anderen Augen. Das ging auch mir so – ich sehe nun immer die Symbole, Erker und Figuren», so Pras. Wer sich damit befasse, stelle fest, alles ist voller Wissen aus der Vergangenheit. Dieses Wissen, so Pras, hätten wir heute gar nicht mehr.
Früher hätte man das Wissen in Wandgemälden, Symbolen, Figuren und Erkern festgehalten und jeder habe gewusst, was damit gemeint ist. Hört man ihm zu, merkt man die Begeisterung für vergangene Zeiten. «Könnte ich wählen, würde ich gern in jener Zeit leben», sagt er und lacht. Heute sei in der Bauweise alles so strukturiert und wenig verspielt – früher habe man sich bei den Bauten in den Details verloren – vom Erker bis zur Säule.
Pras, der heute in Goldach wohnt war schon als Kind kreativ. Das Schreiben allerdings habe früher nicht so eine Anziehung auf ihn gehabt – vielmehr war es die Musik, der er sich zugewandt hat von Klein auf. «Der Roman, den ich vor einem Jahr begonnen habe, war eher ein Hobby», so Pras. Leserinnen und Leser können im Buch ausserdem auf Codes und Symbole achten – und selbst aktiv in die Recherche gehen, wenn sie wollen. «Wer aber grundsätzlich mit offenen Augen durch die Stadt geht, entdeckt viele Geschichten, Verborgenes und Bezüge zu vergangenen Geschichten», so Pras. Begleitend zum Buch gibt es ein Hörspiel – so können die Leserinnen und Leser an der Seite von Ben durch die Stadt spazieren und Altes neu entdecken. Sein Tipp: die eigene Stadt einmal wie ein Tourist betrachten.
Übrigens: Am 6. Juni signiert Pras sein Buch von 13 bis 15 Uhr bei Orell Füssli Rösslitor St. Gallen, am 31. Oktober im Orell Füssli St. Margrethen.
Stefanie Rohner
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