Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Arno Tanner
Bereits zum dritten Mal reiste der St.Galler Arno Tanner vor kurzem auf die griechische Insel Lesbos, um dort humanitäre Hilfe zu leisten – und erfuhr dabei unerwartet viel Unterstützung aus der Schweiz.
Humanitäre Hilfe Innerhalb von 40 Tagen wollte der St.Galler Arno Tanner 3‘000 Franken mittels Crowdfunding für seinen humanitären Einsatz auf Lesbos sammeln, um seine Lebenshaltungskosten zu decken. Es dauerte keine zwei Wochen und er hatte den Betrag bereits erreicht und sogar übertroffen: «Ich habe nicht mit dieser grossen Unterstützung gerechnet und war überwältigt», sagt der 27-Jährige. Diese erhielt Tanner nämlich nicht nur aus seinem privaten Umfeld, sondern auch von Prominenten wie dem St.Galler Satiriker und Comedian Renato Kaiser oder der Basler Singer-Songwriterin Anna Rossinelli. «Ich wusste gar nicht so recht, wie damit umgehen. Ich habe mein Projekt auf Social Media geteilt und ohne Erwartungen auch an Renato Kaiser geschickt. Er wiederum teilte den Beitrag ebenfalls und so nahm das Ganze wie ein Schneeball seinen Lauf», erzählt Tanner. Unterdessen befindet sich der junge St.Galler bereits wieder in Lesbos: «Ich hatte nie Bedenken, wieder zu gehen. Schön, dass ich mir nun auch finanziell keine allzu grossen Gedanken machen muss.»
Tanner arbeitet als Freiwilliger für die humanitäre Hilfsorganisation «Europe Cares». «Es ist ein sehr junges Unternehmen, gegründet nach dem Brand in Moria. Das «Paréa»-Gemeinschaftszentrum in Lesbos war das erste Projekt der Hilfsorganisation. Es befindet sich vom Flüchtlingscamp aus in Blickweite. Wir haben daher einen sehr nahen Kontakt zu den Menschen», erzählt er. Seine Arbeit vor Ort sei schnelllebig und vielseitig. «Stündlich kann sich die Situation wieder ändern. Zurzeit unterstütze ich das Koordinationsteam vor Ort, trete in Kontakt mit Partnerorganisationen oder helfe den Menschen direkt, bringe Essen oder putze das Areal.» Dabei gebe er all sein Herzblut, auch wenn die Arbeit manchmal schwierig sei, insbesondere, wenn er eine gewisse Ohnmacht verspüre. Prägen würden ihn vor allem die persönlichen Geschichten, die er von den Menschen im Camp erfahre: «Ein Mann aus Afghanistan erzählte mir, dass er 13 Versuche benötigte, bis er die Reise mit dem Gummiboot von der Türkei bis nach Griechenland geschafft hatte. Man muss sich das vorstellen, er begab sich 13 Mal in Lebensgefahr bis er endlich sicher war», so Tanner. Mittlerweile habe sich die Situation im Flüchtlingscamp beruhigt. Von anfangs 25‘000 Menschen lebten nun noch knapp 2‘000 dort. «Doch die dauerhafte Überwachung und Einsperrung bedeutet immer noch eine schwierige Situation.»
«Europe Cares» habe er bei einer seiner vorherigen Reisen nach Lesbos kennengelernt, doch sein freiwilliges Engagement dauert schon mehrere Jahre an. «Schon 2015, als die grosse Flüchtlingskatastrophe in Lesbos geschah, habe ich hier in der Ostschweiz an Demonstrationen teilgenommen oder bei der Sammlung für Kleidung und Hilfsgüter geholfen», erinnert sich der 27-Jährige zurück. Der Grossbrand in Moria habe ihn schliesslich definitiv dazu bewogen, selbst auf die griechische Insel zu reisen. Jedes Mal «nur» seine Ferien zu opfern, reichte ihm schliesslich aber nicht mehr: «Ich ging meiner Arbeit hier als Betreuungsperson an der Heilpädagogischen Schule in Flawil gerne nach. Aber mit den Gedanken war ich stets bei den Menschen im Camp. Daher habe ich mich entschieden, meinen Job hier aufzugeben und für mehrere Monate auf die Insel zu reisen», sagt Tanner. Zusätzlich habe er hier in der Schweiz den Verein «Paréa» gegründet, um weitere Hilfe für die Flüchtlinge zu generieren. Nächstes Jahr im Juni plane er seine Rückkehr in die Schweiz, die hänge allerdings auch von seiner Rolle bei «Europe Cares» ab. «Sollte ich seitens der Organisation eine finanzielle Sicherheit erhalten, könnte mein Weg auch anders weiter gehen.»
Von Ladina Maissen
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