Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
So könnte es im Gebiet Hohrein aussehen. z.V.g
Gleich drei kantonale Vorlagen fanden am Abstimmungssonntag eine Mehrheit. Das Arealentwicklungsprojekt WILWEST wurde mit 54,68 Prozent angenommen, die Kantonsstrasse zum See mit 54,02 Prozent und der Neubau des Berufs- und Weiterbildungszentrums in Rapperswil-Jona mit deutlichen 80,11 Prozent.
Abstimmungsresultate Beat Schwarz, Gemeindepräsident von Sirnach und Präsident der Regio Wil, begrüsst das Ergebnis. Der Entscheid ermögliche es dem Kanton Thurgau, dem Kanton St.Gallen sowie der Region mit 22 Gemeinden, ihre Entwicklung aktiv zu gestalten statt sie einfach geschehen zu lassen: «Mit dem Projekt bündeln wir unsere wirtschaftliche Entwicklung an einem einzigen, gut erschlossenen Standort und verzichten dafür auf neue Einzonungen für neue Unternehmen in ihren eigenen Gemeindegebieten.» Für die Zukunft der Region sieht Schwarz das Projekt als wegweisend: «Langfristig stärkt das Projekt die Attraktivität der Region als Wohn-, Arbeits- und Lebensraum und sorgt dafür, dass junge Fachkräfte hier bleiben oder zurückkehren.» Auf der Gegenseite kämpfte ein kleines Nein-Komitee bestehend aus vier Landwirten und einem Juristen gegen das Projekt. Christian Vogel, SVP-Kantonsrat und Mitglied dieses Komitees, zeigt sich trotz der Niederlage nicht vollständig enttäuscht: «Wir waren fünf Personen, die sich freiwillig und ohne jede Entschädigung für ein Nein einsetzten – und sind auf über 45 Prozent Nein-Stimmen gekommen, das ist viel.» Vogel kritisiert insbesondere den Preis, zu dem die Grundstücke abgegeben werden, und warnt vor den Folgen für die Landwirtschaft: Mit WILWEST würden 123'128 Quadratmeter Äcker überbaut und weitere 25'000 Quadratmeter für Steine und Büsche zerstört. Das schade der lokalen Lebensmittelproduktion und den Bauernfamilien in der Region. Zudem befürchtet Vogel, dass Steuereinnahmen der betroffenen Unternehmen künftig nach Frauenfeld fliessen statt in die Gemeindekassen der Region.
Ebenfalls angenommen wurde die Vorlage zur Kantonsstrasse zum See und zum Autobahnanschluss Witen. Das Vorhaben bündelt den Verkehr am Siedlungsrand, entlastet Ortszentren und Wohnquartiere vom Durchgangsverkehr und soll Staus reduzieren. Die kantonalen Ausgaben belaufen sich auf rund 267'300'000 Franken, finanziert über den zweckgebundenen Strassenfonds. Der frühestmögliche Baustart ist 2033. Michael Götte, SVP-Nationalrat und Mitglied des Ja-Komitees, wertet das Resultat als Zeichen des kantonalen Zusammenhalts: «Dass sich die Mehrheit des Stimmvolks im ganzen Kanton mit unserer Region solidarisiert hat, freut mich sehr.» Für Götte ist der Entscheid zugleich eine wichtige Weichenstellung: «Diese erfolgreiche Zusammenarbeit macht Mut – und ist eine wichtige Weichenstellung für die zukünftige Entwicklung unserer Region, weit über die Verkehrsinfrastruktur hinaus.» Daniel Bosshard, Kantonsrat und Präsident der Grünen Kanton St.Gallen, der dem Nein-Komitee angehörte, bezeichnet das Resultat als enttäuschend, sieht im Nein-Anteil von rund 46 Prozent aber einen Achtungserfolg – gerade in einem Kanton, in dem Strassenprojekte traditionell breite Unterstützung fänden. Er ist überzeugt, dass die Kantonsstrasse zum See langfristig mehr Probleme schaffe als löse. Bosshard warnt vor dem Phänomen des induzierten Verkehrs: «Neue Strassen erzeugen zusätzlichen Verkehr. Statt Entlastung drohen neue Belastungen, auch weil Verkehr in bisher weniger betroffene Quartiere verlagert wird.» Konkret erwartet die Regierung für die Goldacherstrasse in Rorschacherberg selbst einen Verkehrszuwachs von rund 40 Prozent. Hinzu komme der Verlust von rund 16'000 Quadratmetern schützenswerter Fruchtfolgeflächen.
Die deutlichste Zustimmung erhielt die Vorlage zum Neubau des Berufs- und Weiterbildungszentrums in Rapperswil-Jona: 80,11 Prozent der Stimmberechtigten hiessen das Projekt gut. Der Neubau entsteht in Bahnhofsnähe und schafft Platz für rund 1'600 Lernende. Mit dem Abstimmungsresultat kann nun der Architekturwettbewerb für den Bau ausgearbeitet werden.
Selim Jung
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