Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Immer häufiger wird der gefährliche Crack aus Kokainsalz konsumiert.
vDi Straftaten nach Betäubungsmittelgesetz haben im letzten Jahr in der Stadt St. Gallen schlagartig um 46 Prozent auf 1136 Straftaten zugenommen (kantonal auf 2428). Damit stieg die Häufigkeitszahl (Fälle pro tausend Einwohnerinnen und Einwohner) von 10 auf 14,4. Im Kanton hat nur Au mit 15,2 aufgrund der Grenzlage eine grössere Häufigkeitszahl.
Drogenfahndung Der massive Anstieg in St. Gallen, wo schon früher eine grosse Zahl von Betäubungsmitteldelikten konstatiert wurde, dürfte auch auf intensive Kontrollen der Stadt- und Kantonspolizei zurückzuführen sein. Zudem ist hier gemäss Abwasserkontrollen ein besonders starker Kokainkonsum festzustellen, was auch auf den grossen Anteil von Hochschulabsolventen zurückgeführt wird. Gesamtkantonal betrafen 1644 oder 67,7 Prozent den Eigenkonsum (inklusive Anbau oder Herstellung) und 783 den illegalen Handel.
Nach Stefan Kühne, Leiter der Kriminalpolizei der Kantonspolizei, stehen beim Konsum illegaler Substanzen weiterhin Hanfprodukte im Vordergrund und machen einen Drittel aller angezeigten Fälle aus, gefolgt von Mischkonsum verschiedener Drogen. Im Bereich harter Drogen ging die sichergestellte Menge an Heroin von rund 5,3 Kilo auf 3,8 Kilo zurück. Dagegen stellte die Kantonspolizei 12,7 Kilo Kokain im Rahmen länger andauernder Ermittlungen sicher. Die grössten Mengen beschlagnahmter Substanzen fielen auf die Hanfprodukte. Beschlagnahmt wurden aber auch viele Ecstasy-Pillen und rezeptpflichtige betäubungsmittelhaltige Arzneimittel.
Der Heroinmarkt ist, wie Kühne weiter feststellt, wegen gesunkener Verfügbarkeit rückläufig. Heroin tritt vorwiegend noch im Zusammenhang mit Grenzkontrollen oder bei der Anhaltung von Drogenkurieren in Erscheinung. Demgegenüber ist der Kokainmarkt von einer anhaltend hohen Verfügbarkeit geprägt. Der grosse Teil der laufenden Ermittlungsverfahren betrifft denn auch den Kokainhandel.
Stark zugenommen hat die Komplexität der Ermittlungen. Die intensive Nutzung digitaler Kommunikationsmittel führt zu vielschichtigen Datenbeständen. Diese müssen gesichert, ausgewertet, strukturiert und häufig auch übersetzt werden. Der Aufwand ist dadurch markant gestiegen und wird weiter steigen. Ein einzelnes umfangreiches Verfahren erfordert erheblich grössere Kapazitäten als früher. Die internationale Vernetzung verlangt einen hohen Koordinations- und Spezialisierungsgrad. Innerhalb der Ermittlungsteams ist deshalb eine stärkere Arbeitsteilung vorgenommen worden. Ein Teil der Mitarbeitenden konzentriert sich auf die eigentlichen Ermittlungen, während der andere unterstützende und auswertende Funktionen übernimmt. Diese strukturellen Veränderungen dürften allerdings dazu beitragen, dass insgesamt weniger Betäubungsmitteldelikte erfasst werden, was bedauerlich ist.
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