Claudia Wetter
St.Galler Gerichte wollen erhöhte Geschäftslast mithilfe von IT bewältigen.
Besonders im Dienstleistungssektor ist die Zahl der Arbeitslosen gestiegen - im Gesundheits- und Sozialwesen sind es 54 Personen mehr als im Vorjahr.
Im Kanton St.Gallen ist die Zahl der Stellensuchenden deutlich gestiegen. Ende Januar waren über 12'000 Personen bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren gemeldet. Der Kanton sieht die Entwicklung vor allem als Folge der konjunkturellen Abkühlung und weniger als strukturelles Problem.
Arbeitsmarkt Ende Januar 2026 waren im Kanton St.Gallen 12'067 Personen bei einem RAV als stellensuchend registriert. Das sind 1'428 Personen mehr als vor einem Jahr und 306 mehr als Ende Dezember. Damit nahm die Zahl der Stellensuchenden innert Jahresfrist um 13,4 Prozent zu, was über dem saisonal üblichen Anstieg zu Jahresbeginn liegt. Besonders betroffen sind der Dienstleistungssektor sowie Industrie und verarbeitendes Gewerbe, wobei die prozentuale Zunahme im Dienstleistungsbereich etwas stärker ausfällt. Auffällig ist zudem der überdurchschnittliche Anstieg in den Finanzdienstleistungen sowie im Bereich Information und Kommunikation, auch wenn die absoluten Zahlen dort weiterhin vergleichsweise tief bleiben. Im Vergleich zur gesamtschweizerischen Entwicklung zeigt sich ein ähnliches Bild. «Dieser relativ kleine Unterschied deutet darauf hin, dass die Entwicklung momentan durch die allgemeine konjunkturelle Lage bedingt ist und weniger durch strukturelle Gründe», sagt Adrian Schumacher, Fachmitarbeiter Kommunikation beim Kanton St.Gallen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass sowohl die Stellensuchenden- als auch die Arbeitslosenquote im Kanton weiterhin unter dem nationalen Durchschnitt liegen.
In allen Wahlkreisen des Kantons nahm die Zahl der Stellensuchenden gegenüber dem Vorjahr zu. Besonders stark fiel der Anstieg in ländlicheren Regionen wie dem Toggenburg, dem Werdenberg, dem Sarganserland und dem Rheintal aus. Nach Einschätzung des Kantons hängt dies eng mit der jeweiligen Wirtschaftsstruktur zusammen. «In den industriell geprägten Wahlkreisen Rheintal und Werdenberg spielt die schwächere Industriekonjunktur eine gewisse Rolle», so Schumacher. In Regionen wie Wil, St.Gallen oder Rorschach sei dieser Effekt weniger ausgeprägt. Auch bei den Altersgruppen zeigt sich ein Anstieg über die gesamte Breite. Leicht besorgniserregend ist die Zunahme bei den 15- bis 24-Jährigen. Dennoch sieht der Kanton keinen Hinweis auf einen erschwerten Berufseinstieg.
Parallel zum Anstieg der Stellensuchenden bleibt die Kurzarbeit ein wichtiges Instrument zur Stabilisierung des Arbeitsmarkts. Für den Februar 2026 haben 67 Betriebe insgesamt 2'061 Mitarbeitende zur Kurzarbeit vorangemeldet, leicht weniger als im Vormonat. Betroffen sind Unternehmen aus der Industrie und dem verarbeitenden Gewerbe in allen Regionen des Kantons. Internationale Handelshemmnisse spielen laut Regierung dabei nur eine untergeordnete Rolle. «Nur rund ein Fünftel der Antragstellenden begründet sein Gesuch mit den Zöllen», sagt Schumacher. Der Kanton setzt weiterhin auf bewährte arbeitsmarktpolitische Mittel. «Im Vordergrund stehen die Leistungen der Kurzarbeitsentschädigung, die insbesondere durch Industriebetriebe in Anspruch genommen werden.» Direkte Eingriffe zugunsten einzelner Branchen lehnt der Kanton ab. Trotz der aktuellen Entwicklung zeigt sich der Kanton verhalten optimistisch: «Langfristig verlassen zwischen 50 und 60 Prozent der Stellensuchenden das RAV mit einer Stelle. Gleichzeitig wird sich der Arbeitsmarkt gemäss Prognosen wohl erst zeitverzögert von der aktuellen Konjunktur erholen», so Schumacher.
Selim Jung
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