Nachtruhe für Mähroboter gefordert
Mähroboter sind angenehme Helfer um den Rasen auf Vordermann zu halten. Grüne fordern nun ein Nachtfahrverbot. Der Igel wegen.
In einer Interpellation fordern die Grünen-Politikerinnen Veronika Meyer und Cornelia Federer eine «Nachtruhe für Mähroboter». Laut den Politikerinnen sind Mähroboter für Igel und Kleintiere gefährlich.
Mähroboter sind angenehme Helfer um den Rasen auf Vordermann zu halten. Grüne fordern nun ein Nachtfahrverbot. Der Igel wegen.
Interpellation Sie sind ruhiger als herkömmliche Rasenmäher. Und sie schneiden den Rasen gleichmässiger und erst noch ohne menschliche Hilfe: Mähroboter.
Die kleinen Roboter auf Rädern sind derart ruhig, dass man sie eigentlich problemlos auch in der Nacht ihre Arbeit erledigen lassen kann. Denn auch der Nachbar wird davon kaum etwas mitbekommen und sich nicht daran stören. Wann die kleinen Gartenhelfer also den Rasen mähen, ist quasi egal.
Doch ist es wirklich egal? «Nein!», sagt Veronika Meyer, Stadtparlamentarierin von den Grünen. Laut ihr und Cornelia Federer, ebenfalls von den Grünen, sind Mähroboter für viel Leid verantwortlich – gerade wenn sie in der Nacht ihrer Arbeit nachgehen.
Die beiden Politikerinnen haben deshalb eine Interpellation eingereicht. Ihre Forderung: Mähroboter sollen in St. Gallen nachts nicht mehr fahren dürfen. Denn genau dann seien Igel besonders gefährdet. Sie seien vorwiegend nachtaktiv, und sie laufen nicht davon, wenn sich ein Feind nähert. Stattdessen blieben sie an Ort und rollten sich zusammen. Allerdings bieten ihre Stacheln keinen Schutz vor Mährobotern. Mit fatalen Folgen, wie die beiden Politikerinnen sagen.
Wie gross das Problem in St. Gallen tatsächlich ist, kann VeronikaMeyer zwar nicht sagen. Eine Übersicht über das Igelsterben existiere nicht. Trotzdem ist sie überzeugt, dass Mähroboter eine ernsthafte Gefahr darstellen. Viele verletzte Tiere würden gar nie gefunden. Besonders drastisch beschreibt sie Igel mit«abgeschnittenen Schnauzen oder Beinen». Und sie sagt: «Jede Verletzung ist zu viel.»
Dass ein Nachtfahrverbot in der Praxis wohl kaum kontrolliert werden dürfte, scheint Meyer nicht zu stören. Für sie geht es auch um ein gesellschaftliches Signal. Das Verbot wirke «bereits durch seine Existenz». Wenn nachts ein Mähroboter durch den Garten kurve,könnten Nachbarn einschreiten. «He, das ist jetzt verboten, und zwar wegen den Igeln», so Meyer.
Mit dem Argument, die Regel sei ohnehin kaum durchsetzbar, kann Meyer wenig anfangen. Sie vergleicht die Forderung mit dem geplanten Rauchverbot auf Spiel-plätzen. Auch dort werde nicht ständig kontrolliert. Trotzdem habe ein Verbot Wirkung. «Im übrigen muss man zuweilen optimistisch sein in der Politik, sonst könnte man immer wieder verzweifeln.»
Überhaupt sieht Meyer keinen vernünftigen Grund für nächtliche Mäharbeiten. «Warum muss denn ein Mähroboter überhaupt nachts herumfahren?» Die Geräte müssten schliesslich nicht beaufsichtigt werden und könnten problemlos tagsüber mähen. Die persönliche Freiheit der Gartenbesitzer werde durch ein Nachtverbot «nicht im geringsten eingeschränkt».
Die Grünen-Politikerin stört sich dabei nicht nur an Mährobotern. Auch nächtliche Gartenbeleuchtung und Laubbläser gehen ihr gegen den Strich. Für Veronika Meyer ist klar: «Eigentum verpflichtet.» Wer einen Garten besitze, müsse Verantwortung für die Umwelt übernehmen. Möglichst «ohne Maschinen», «ohne Dünger» und «ohne chemische Helferlein». Statt perfekt gepflegter Rasenflächen wünscht sie sich mehr Wildnis. «Etwas Unordnung ist höchst erwünscht.»
Zumindest bei sich selbst setzt Meyer dieses Ideal bereits um. Statt eines klassischen Gartens besitzt sie heute eine begrünte Dachfläche. Dort lasse sie «wachsen, was kommen will». Zwischen Ast- und Steinhaufen entstehe so «ein kleines Stücklein Wildnis». Igel gebe es dort allerdings keine.
Unterstützung erhalten Meyer und Federer von der Organisation Pro Igel Schweiz. Dort spricht man ungewöhnlich drastisch von einem möglichen «Massaker im Gartenidyll». Die Organisation warnt seit längerem vor den kleinen Rasenhelfern. Der Igel lebe heute wegen des schrumpfenden Lebensraums immer häufiger mitten im Siedlungsgebiet des Menschen. Genau dort seien inzwischen auch Mähroboter allgegenwärtig.
Besonders problematisch sei der Einsatz in der Nacht. Dann erle-dige der nachtaktive Igel «Revierpflege, Nahrungsaufnahme und Paarung». Der Appell von Pro Igel fällt entsprechend deutlich aus. «Überlassen Sie daher bitte die Nacht dem Igel.»
Die Organisation empfiehlt deshalb, Mähroboter ausschliesslich tagsüber laufen zu lassen. Zudem sollten Käufer gezielt nach «igelfreundlichen» Geräten fragen. Denn viele Maschinen würden Kleintiere gar nicht zuverlässig erkennen.
Weil sich Igel bei Gefahr einrollen statt flüchten, komme es laut Pro Igelimmer wieder zu «wüsten Begegnungen». In Igelstationen würden «jährlich unzählige verletzte Tiere» versorgt. Oft seien die Verletzungen allerdings derart schwer, dass die Tiere «nur noch erlöst werden können».
Auch die Wortwahl der Organisation fällt auffallend drastisch aus. Gartenbesitzer sollen ihre Grünflächen vor jedem Einsatz absuchen, damit der eigene Garten nicht zur «schauderhaften Kulisse für ein Igelmassaker» werde.
Besonders bitter sei laut Pro Igel, dass viele verletzte Tiere erst Tage später gefunden würden. Das verlängere das Leiden zusätzlich. Zudem treffe es oft junge Igel. Die seien mutiger und gerieten deshalb häufiger mit Mährobotern in Kontakt. Langfristig könne das sogar Auswirkungen auf den Genpool des europäischen Braunbrustigels haben.
Von Marino Walser
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