Oskar Seger
schaut mit Vorfreude auf die bevorstehenden Fasnachtstage.
Alexandra Cloots
Die Arbeitswelt verändert sich – doch die Umsetzung von New Work bleibt in vielen Unternehmen hinter den Erwartungen der Mitarbeitenden zurück. Eine Studie des iDNA-Instituts der OST – Ostschweizer Fachhochschule zeigt, dass Ansprüche an Führung, Entwicklungsmöglichkeiten und Zusammenarbeit generationenübergreifend ähnlich sind, die Realität im Alltag jedoch häufig davon abweicht.
Arbeitsplatz Seit Jahren wird in Unternehmen über New Work diskutiert. Am 9. St.Galler New Work Forum, das vom HR-Panel des iDNA-Instituts für Diversität und neue Arbeitswelten der OST Ostschweizer Fachhochschule organisiert wurde, standen die Ergebnisse der aktuellen Jahresstudie im Zentrum. Sie untersuchte, welche Erwartungen Mitarbeitende an ihre Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber haben und wo die Umsetzung scheitert. «Wir mussten feststellen, dass die Unterschiede zwischen Anspruch und Realität extrem gross sind», sagte Alexandra Cloots, Leiterin des iDNA, zu den Ergebnissen der Studie. Die Erwartungen seien generationenübergreifend stabil: Alle Altersgruppen wünschten sich Führung, die Entwicklungsmöglichkeiten bietet, sinnstiftend wirkt und die technologische sowie organisatorische Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherstellt. «Mitarbeitende erwarten keine Utopie – sondern verlässliche Arbeitsbedingungen», ergänzte Cloots. Die Studie zeigt, dass die Umsetzung von New Work weniger an fehlenden Konzepten scheitert, sondern an deren Verbindlichkeit im Alltag. Oft fehlten klare Regeln, gemeinsame Prinzipien oder bewusst gestaltete Zusammenarbeit in Teams. Mit zunehmendem Alter der Mitarbeitenden verstärken sich diese Diskrepanzen zwischen Erwartung und gelebter Realität. «Gute Arbeit besteht nicht nur aus Konzepten, sondern vor allem aus den einzelnen Situationen im Alltag: Dem miteinander reden, dem Austausch und der gemeinsamen Veränderung», so Cloots.
Am Forum wiesen Expertinnen und Experten darauf hin, dass bestehende Unternehmenskulturen neue Strategien häufig sabotieren. Georg Wolfgang, Gründer der Culturizer GmbH, sagte in seiner Keynote: «Oft wird auch heute noch unter diesem Begriff Homeoffice, Obstkörbe und eine Du-Kultur verstanden. Dabei geht es viel mehr um Selbstverantwortung, Potenzialentfaltung und Begegnung auf Augenhöhe.» Er erklärte weiter, dass Kulturwandel Reflexion, Training und kontinuierliche Weiterentwicklung erfordert und nicht einfach verordnet werden kann. Der Dialog sei entscheidend, damit Unternehmen Ansätze finden, die im Alltag wirksam sind. Manuela Hartmann, Verantwortliche für das Sponsoring bei der Frauenequipe des FCSG, wies auf die Bedeutung flexibler Strukturen hin und betonte, dass mehr Flexibilität bei Arbeitgebenden die Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden steigere.
Mirjam Jaeger, Senior Managerin bei Avenir, wies darauf hin, dass Innovation ohne Umsetzung wenig wert sei: «Oft wird der Denkfehler begangen, dass Innovation einfach so passiert.» Veränderung entstehe selten von selbst, betonte sie, und Unternehmen müssten bereit sein, den ersten Schritt ins Ungewisse zu gehen. «Es ist unerlässlich, eine gewisse Nebelkompetenz zu entwickeln: Auch wenn man nicht genau weiss, wohin einem die Veränderung führt, sollte man einfach starten.» Das St.Galler New Work Forum zeigte deutlich: New Work betrifft nicht nur die jüngere Generation und ist kein reines Haltungsproblem der Mitarbeitenden. Vielmehr liegt die Herausforderung darin, Erwartungen in konkretes Führungshandeln, organisatorische Strukturen und gelebte Zusammenarbeit zu übersetzen. Unternehmen, die dies schaffen, schaffen gleichzeitig eine Arbeitswelt, die Sinn stiftet, Entwicklung fördert und generationenübergreifend attraktiv ist.
pd
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