Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Von links: Rouven Niedermaier, Fotograf, Sükran Magro, Geschäftsstellenleiterin Solidaritätsnetz Ostschweiz, und Francisco Martinez Ruiz, Organisator.
Im Rahmen der «Aktionstage gegen Rassismus» präsentierten das Solidaritätsnetz Ostschweiz, Fotograf Rouven Niedermaier und Francisco Martinez Ruiz eine Vernissage mit Fotografien und Textporträts von geflüchteten Menschen. Am Samstag, 21. März, waren ein Teil der Porträtierten vor Ort. Francisco Martinez Ruiz erklärt im Interview, wie das Projekt entstanden ist.
Aktionstage gegen Rassismus Die Ausstellung zeigt Fotografien von geflüchteten Personen, die unter anderem vom Solidaritätsnetz Unterstützung erhalten haben. Ergänzend liegen Textporträts auf, die ihre Fluchtgeschichten und ihren Weg in der Schweiz beleuchten.
Francisco Martinez Ruiz, wie ist die Idee entstanden?
Rouven Niedermaier hat von Januar bis Ende März 2025 seinen Zivildienst beim Solidaritätsnetz absolviert. Zu seinen Aufgaben gehörten das Schreiben von Bewerbungen, das Ausfüllen von Formularen sowie die Unterstützung bei Alltagsfragen. Bereits damals gingen ihm die Geschichten der Klientinnen und Klienten sehr nahe. Gleichzeitig entwickelte er den Wunsch, diese Geschichten fotografisch zu porträtieren. Im Austausch mit mir entstand die Idee, die Fotografien mit Texten zu ergänzen. Sükran Magro, die Leiterin des Solidaritätsnetzes unterstützte das Projekt massgeblich, insbesondere bei der Kontaktaufnahme mit den Porträtierten.
Grundsätzlich wollten wir fotografisch so roh und menschlich wie möglich arbeiten; der Fokus lag klar auf der Person. Durch einen neutralen, aber zugleich eigenständigen Hintergrund – ein Stoffrest mit schöner Farbe und interessanter Textur – rückte die Person in den Mittelpunkt. Das kleine Fotoset wurde an drei Tagen im Solidaritätsnetz aufgebaut, sodass wir die Porträts direkt vor Ort aufnehmen konnten. Die Personen sollten zudem so erscheinen, wie sie sich wohlfühlten: mit ihren eigenen Kleidern, Accessoires und Hilfsmitteln. Die Texte sollen Empathie ermöglichen, ohne die erzählten Geschichten zuzuspitzen. Die Erlebnisse der Personen sind teilweise sehr schwer zu lesen und anzuhören. Die grösste Herausforderung bestand darin, die Geschichten im Rahmen der Ausstellung zu erzählen, ohne an Wichtigkeit und Bedeutung einzubüssen.
Rassismus und Diskriminierung haben ihre Wurzeln oft im Nichtwissen der Gesellschaft. Die Aktionstage gegen Rassismus verfolgen daher mehrere zentrale Ziele: Sie sensibilisieren die Bevölkerung für die Auswirkungen von Rassismus und Diskriminierung im Alltag und stärken zugleich die Perspektiven von Betroffenen, indem persönliche Geschichten und Porträts sichtbar gemacht werden. Darüber hinaus fördern sie den Dialog zwischen Betroffenen, Fachpersonen, Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern und der breiten Öffentlichkeit. Ein weiteres Anliegen besteht darin, konkrete Lösungsansätze zu entwickeln, wie Diskriminierung sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene abgebaut werden kann. Langfristig sollen die Aktionstage so zu einem respektvollen, solidarischen und diskriminierungsfreien Zusammenleben beitragen. Ein wichtiges Ziel war für uns zudem, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen zusammenkommen können. Ausserdem war es uns ein Anliegen, mit einer qualitativ und inhaltlich hochwertigen Arbeit auf das Angebot des Solidaritätsnetzes aufmerksam zu machen. Da dieses fast ausschliesslich durch Spenden finanziert wird, sind solche Anlässe zentral.
Wir fanden es sehr schön, dass so viele Klientinnen und Klienten des Solidaritätsnetzes vor Ort waren. Trotz der oft belastenden Geschichten und Eindrücke haben sich die porträtierten Personen engagiert eingebracht, und es sind viele wertvolle Gespräche entstanden. Besonders schön war auch die Altersdurchmischung: Es kamen Familien mit Kindern und Jugendlichen sowie junge und ältere Menschen.
Für uns persönlich war die Vernissage ein Erfolg. Die Gespräche und Eindrücke haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, immer wieder aufeinander zuzugehen, zu fragen, zu informieren und sich auszutauschen.
Interview von Selim Jung
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