Sie kämpfte für Frauenrechte – und war ihrer Zeit weit voraus
Pionierin der Gleichberechtigung: Vor 150 Jahren wurde Helene David-Hock geboren. Als Chefredaktorin des «Frauenblattes»kämpfte sie für die Frauen.
Pionierin der Gleichberechtigung: Vor 150 Jahren wurde Helene David-Hock geboren. Als Chefredaktorin des «Frauenblattes»kämpfte sie für die Frauen.
Feminismus Helene David-Hock war eine begabte und fleissige Schülerin im Gymnasium, wie Frida Imboden-Kaiser im Nachruf in der Schweizer Frauenzeitung 1956 schrieb. Nach der Matura 1897 studierte sie anderthalb Semester Philologie in Zürich, um dann den früh verwitweten Lehrer R. David zu heiraten. Sie übernahm drei Stiefkinder, dazu kamen später noch drei eigene, und allen sechs war sie eine liebevolle Mutter. Um den Kindern höhere Studien zu ermöglichen, nahm sie jahrelang Schüler als Pensionäre auf. Sie erbrachte damit den Beweis, dass auch eine Intellektuelle mit weitem Horizont an mütterlicher Liebe und fürsorgerlicher Güte nichts einbüssen muss, wie Frida Imboden-Kaiser weiter festhielt.
Aufklärung im Frauenblatt
1919 konnte Helene David-Hock die bürgerlichen Frauen des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenverbandes von der Notwendigkeit der Einführung des Frauenstimmrechts überzeugen. Als Chefredaktorin des Schweizer Frauenblattes setzte sie sich unentwegt für die Rechte der Frau ein, schrieb über Kindererziehung und Frauenberufe. Für sie war eine starke Frauenpresse enorm wichtig, denn sie stellte fest, «dass die heutige Presse für den Mann geschrieben ist». Sie vertrat ein duales Geschlechterbild, indem sie feststellte: «Die Frau hat von Natur andere, durchaus aber nicht minderwertigere Begabungen mitbekommen als der Mann.» Der Frau ordnete sie Liebe, Mütterlichkeit, Kindererziehung, Krankenpflege und Gemeinnützigkeit zu, während der Mann die Kunst, die Industrie, die Wissenschaft, den Handel, den Staat und die Religion geschaffen habe. Von 1934 bis 1941 verfasste sie auch die Wochenchronik des «Schweizer Frauenblattes». In ihren Schriften setzte sie sich für gleichwertige Schulbildung und für gleiche Berufschancen von Mädchen und Knaben ein. «Das Recht jeder Frau auf Arbeit und das Recht auf die Wahl dieser Arbeit je nach ihrer Befähigung», lautete ihr Motto.
Soziale Arbeit für Frauen
In der 1907 erschienenen Schrift «Die Teilnahme der Frau an der sozialen Arbeit» legte Helene David dar, dass auch Frauen berufen sind, sich an den Aufgaben von Gesellschaft, Staat und Gemeinde zu beteiligen, ja, dass es eine ernste Pflicht für sie ist, den ihnen zukommenden Teil an der öffentlichen Arbeit zu verlangen: «Sie besitzen Kräfte und Fähigkeiten genug, um eine solche ihren natürlichen Anliegen entsprechende Arbeit auszuüben. Die Männer aber werden nur froh sein, bei ihrer Überbürdung mit Geschäfts- und Amtspflichten, einen Teil ihrer Arbeit auf willige und weniger belastete Schultern abladen zu können.» Es vergingen aber noch Jahrzehnte, bis es 1971 endlich soweit war. Noch mussten viele Frauen nach Helene David für das Frauenstimmrecht und die Teilhabe am politischen Leben kämpfen.
Kampf für den Sozialstaat
In ihrer 1919 verfassten, von den Jungfreisinnigen herausgegebenen Schrift «Über Frauenbewegung und Frauenstimmrecht» widersetzte sie sich energisch gegen falsche Behauptungen gegenüber den Emanzipationsbestrebungen der Frau. Sie gelangte zu diesem Schluss: «Heute stehen wir an einem Wendepunkt. Der Staat muss die Interessen des Lebens über die Interessen der Produktion, das Geistige über das Materielle stellen. Wir stehen an der Schwelle des Sozialstaates. Der bisherige Staat erfüllte die Funktion des Mannes, er hat den Selbstbehauptungskampf im Grossen geführt; der Sozialstaat soll die Familie verkörpern und alle Funktionen einer solchen ausüben. (…) Der männliche Staat wird sich aber nur zu diesem Sozialstaat entwickeln können, wenn ihm auch das andere Grundelement alles Lebensaufbaues, eben das weibliche Prinzip als solches, zugeführt wird.»
Helene Davids Tochter Dorothea (1915 bis 1999) war Architektin und betrieb Vorprojektstudien im städtischen Hochbauamt Zürich und ihre zweite Tochter Eva Johanna David Berger (1909 bis 2001) erwies sich am Stadttheater St. Gallen als musikalisches und schauspielerisches Multitalent und wurde als «Grande Dame» bezeichnet.
Von Franz Welte
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