Seen in der Ostschweiz weisen derzeit überwiegend eine gute bis sehr gute Wasserqualität auf. In Flüssen kann sich die Wasserqualität jedoch nach Regen oder unterhalb von Kläranlagen rasch verschlechtern. Bei Hitze steigt zudem in stehenden Gewässern das Risiko einer Blaualgenbildung. Bild: adobestock
01.07.2026 00:00
Sommerhitze setzt Gewässer in der Region St. Gallen unter Druck
Die Badewasserqualität im Bodensee und Rhein ist gegenwärtig erstklassig, wie die amtlichen Erhebungen zeigen. Vorsicht ist indessen beim Baden in der Sitter und in der Thur geboten.
Bodensee und Rhein weisen derzeit eine ausgezeichnete Badewasserqualität auf. Vorsicht ist in den Ostschweizer Flüssen Sitter und Thur geboten.
Unterschiede Für die beiden Flüsse und die Weiher in der engeren Region St. Gallen liegen noch keine aktuellen Zahlen vor. Im letzten Jahr musste während der Badesaison einmal schlechte Qualität an der Thur in Lütisburg sowie am Gübsensee gemessen werden. In der Folge wurden durch das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen St. Gallen (AVSV) an beiden Orten Hinweistafeln angebracht, die vom Baden abraten. Am Bodensee, Walensee und Zürichsee erreichten im Juli letzten Jahres alle untersuchten Badestellen die Bestnote A.
Auch die diesjährigen Erhebungen im Juni zeigen überall gute bis sehr gute Werte (Noten A und B). Die jetzige Hitzewelle könnte die Wasserqualität nun beeinträchtigen. Wasserproben aus Naturbädern sind immer Momentaufnahmen. Am Thurgauer Ufer sind oft wegen des tiefen Wasserstandes lange Wege bis zum Wasser zurückzulegen, hingegen ist das Wasser am St. Galler Ufer wegen des stärkeren Gefälles schneller erreichbar.
In Flüssen kann sich die Wasserqualität besonders rasch ändern. Daher sollte gemäss AVSV in Flüssen generell nicht getaucht und nach dem Baden gründlich geduscht werden. Namentlich war in den letzten Jahren an den Badestellen der Sitter die Wasserqualität gemäss dem Bericht der Sitterkommission beeinträchtigt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Kläranlagen das gereinigte Abwasser in den Fluss einleiten, das bei den heutigen ARAs meist immer noch mit Keimen belastet ist. Unterhalb von Kläranlagen und nach Regentagen ist das Baden in der Sitter generell nicht zu empfehlen, lautet das Fazit der Kommission.
Warnung vor Blaualgen
Die grösseren Weiher in der Ostschweiz wiesen in den letzten Jahren immer gute Resultate auf, auch bezüglich der Drei Weieren in St. Gallen. Im Herbst 2024 hat die Stadt St. Gallen auf Drei Weieren zur Erhöhung der Wasserqualität den Chrüzweier und den Mannenweier leicht abgesenkt. Dabei wurde das sauerstoffarme Tiefenwasser entfernt. Diese Massnahme reduziert auch das Algenwachstum und das Risiko einer Blaualgen-
Bildung.
Allerdings können sich Blaualgen nach dem Amt für Umwelt des Kantons Thurgau in stehenden Gewässern bei Hitze rasch massenhaft vermehren. In Abschnitten mit einer Massenvermehrung ist das Wasser stark getrübt. Die Hunde sollten sich ebenfalls nicht in solche Abschnitte begeben, für sie sind sie akut lebensgefährlich, da die Tiere beim Schwimmen oder Trinken kontaminiertes Wasser verschlucken und die Bakterien beim Putzen von Fell und Pfoten ablecken. Die ersten Symptome treten dann rasant auf, oft schon innerhalb von 15 bis 60 Minuten nach dem Kontakt oder der Aufnahme des kontaminierten Wassers. Bereits im April hat das Amt im Hellmüliweier in Amriswil ein Blaualgenvorkommen festgestellt.
Selbstkontrollen in Freibädern
Die Messresultate in den künstlich angelegten Freibädern werden nicht bekanntgegeben. Es bestehen aber weitreichende eidgenössische und kantonale Vorschriften und das AVSV St. Gallen wie das Kantonale Laboratorium Thurgau führen regelmässig Nachkontrollen durch, so dass von guter Wasserqualität und keiner gesundheitlichen Gefährdung ausgegangen werden kann. Die Betreiber von Freibädern sind gesetzlich verpflichtet, die Badewasserqualität auch regelmässig selbst zu überprüfen. Sie müssen insbesondere sicherstellen, dass die Filtration und Desinfektion des Wassers sachgemäss betrieben und dass genügend Frischwasser zugeführt wird. Sie müssen täglich mehrmals den pH-Wert des Wassers, den Gehalt an Desinfektionsmitteln und dessen
Reaktionsprodukte im Wasser überprüfen und die entsprechenden Ergebnisse dokumentieren. Beim Duschwasser steht der Schutz von Legionellen-Infektionen im Vordergrund.
Von Franz Welte