Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Die Wiederansiedlung des Luchses ist in jeder Hinsicht gelungen.
Von Franz Welte
Wildtiere Der Wildbestand ist heute in Gebieten mit Luchspräsenz besser reguliert, und die Wildverbisse sind deutlich zurückgegangen, so dass eine gute Waldverjüngung erreicht worden ist. Der Luchs wird seinen Beitrag dazu geleistet haben, dass die Abschüsse und mutmasslich auch die Bestände von Rehen und Gämsen zurückgegangen sind.
Wie uns Dominik Thiel, Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen, auf Anfrage mitteilt, gibt es heute im Vergleich zu früher nur noch wenige kritische Reaktionen aus Jägerkreisen: «Einerseits zieht der Wolf den Fokus auf sich, und zudem haben die fast überall deutlich zugenommenen Hirschbestände für jagdlichen ‚Ersatz‘ gesorgt. Heute gibt es in Luchsgebieten gegenüber vor zwanzig Jahren weniger Rehe und Gämsen zu jagen, dafür deutlich mehr Rothirsche. Ich sage immer: ‚Das Haus ist voll‘, die Arten setzen sich darin einfach in anderen Verhältnissen zusammen.» In der St.Galler Broschüre «Der Weg zum Erfolg im Spannungsfeld Wald–Wild» wird auch beim Luchs von einem «Erfolgsfaktor» gesprochen. Das Projekt Luno (Luchsansiedlung Nordostschweiz) sei erfolgreich verlaufen. Die Projektziele seien erreicht worden. Es sind in den letzten Jahren auch keine Risse von Nutztieren durch Luchse festgestellt worden. Die Befürchtungen der Landwirtschaft haben sich also nicht bewahrheitet. Das kann damit zu tun haben, dass Nutztiere wegen ihres höheren Körperfettanteils schneller verwesen. Ein Luchs benötigt ungefähr eine Woche, um ein gerissenes Tier zu vertilgen. Die Biologin Jasmin Schnyder untersuchte die Auswirkungen der Luchse in den Regionen Toggenburg, Werdenberg und See/Gaster. Sie kam auf eine geschätzte durchschnittliche Reduktion der Bestände von Reh und Gams um 40 Prozent.
Nach Thiel nimmt der Bestand der Luchse seit der Wiederansiedlung leicht zu. National betrachtet bestehe eine mittlere Nutzdichte. Die Vernetzung sei aber immer noch kritisch. Aktuell sei eine steigende Luchspopulation im südlichen Sarganserland festzustellen, und es könnte schon einen Austausch mit der nördlich angrenzenden Population (LUNO) geben. Der Austausch gegen Osten (Fürstentum Liechtenstein, Vorarlberg) sei sehr beschränkt, wenn auch möglich. Immer wieder gebe es vereinzelt auch Luchsnachweise im nördlichen Kantonsteil (Fürstenland). Hier sei aber wegen der Zersiedelung und der Infrastrukturen wohl kaum mit einer dauerhaften Luchsbesiedlung zu rechnen. Da keine Überpopulation festzustellen sei, sei aktuell auch keine Aussiedlung erforderlich. Beim letzten Durchgang von «KORA» mit 140 Fotofallen im vergangenen Winter wurden in der Nordostschweiz 20 Luchse an 53 Standorten fotografiert. Darüber hinaus wurden mindestens zehn Jungtiere aus fünf bis sechs Würfen nachgewiesen. Es ist infolge des beschränkten Austauschs eine Erbkrankheit bei jungen Luchsen festgestellt worden. Dazu gibt Thiel bekannt, dass der genetische Austausch tatsächlich eine Herausforderung darstelle. Auf nationaler Ebene sei das Thema Inzucht beim Luchs aktuell. Es sei aber noch offen, ob und wie die genetisch verarmten Luchsbestände «saniert» werden könnten.
Das Vorkommen im Kanton St.Gallen erfolgte im März 2001 durch Umsiedlungen aus dem Jura und den Nordwestalpen. Anfänglich wurde die Besiedelung emotional diskutiert. Neben den Jägern hegte auch die Landwirtschaft grosse Befürchtungen. Heute sind diese weitgehend verstummt. Die Luchse werden weitgehend akzeptiert. Der Startschuss für die Luchsbesiedelung in der Nordostschweiz erfolgte im März 2001 am Tössstock in der Nähe des Atzmännig mit dem Paar Vino und Nura. Der St.Galler Kantonsrat hatte die Wiederansiedlung des Luchses zuvor mit 90 zu 74 Stimmen befürwortet. Zehn weitere Tiere folgten bis 2012. Einen Luchs zu beobachten gelingt viel besser im Wildpark Peter und Paul als in der freien Wildbahn. Hier wurde schon 1980 ein Gehege für Luchse gebaut. Es wurde 2015 saniert.
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