Fabian Diem
will eine Weiterentwicklung der Stiftung Zeitvorsorge forcieren.
Susanne Kytzia, Leiterin des interdisziplinären Schwerpunkts «Klima und Energie» an der OST – Ostschweizer Fachhochschule, betonte an der Klimakonferenz die Dringlichkeit der Erreichung des Netto-Null Ziels bis 2050.
An der sechsten Klimakonferenz der OST – Ostschweizer Fachhochschule stand die Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Bevölkerung im Zentrum. Die Referierenden betonten, dass die Energiewende nur gelingt, wenn alle Akteurinnen und Akteure gemeinsam handeln.
Umweltschutz Seit Jahren wird weltweit darüber diskutiert, wie der Ausstieg aus fossilen Energien zu schaffen ist. Für Susanne Kytzia, Leiterin des interdisziplinären Schwerpunkts «Klima und Energie» an der OST – Ostschweizer Fachhochschule, steht fest, dass ein Scheitern nicht infrage kommt. Sie stellte in ihrer Eröffnungsrede fest, die Weltgemeinschaft scheine dem Klimawandel teilweise zu resignieren. Umso deutlicher formulierte sie die Haltung der Schweiz, die am Ziel Netto-Null bis 2050 festhält. Kytzia stellte die zentrale Frage: «Schaffen wir das?» und beantwortete sie gleich selbst: «Wir müssen es schaffen, denn wir haben keine Alternative.» Auch Ralph Brändle, Leiter des Amts für Wasser und Energie des Kantons St.Gallen, zeigte auf, dass das Thema Klimawandel im Sorgenbarometer der vergangenen Jahre an Bedeutung verloren hat. Dennoch machte er klar, dass die Energiewende eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleibt. «Wir müssen die Energiewende als Gemeinschaftsprojekt vorantreiben – alle tragen Verantwortung», sagte er und forderte damit alle Beteiligten auf, aktiv mitzuwirken.
Wie breit abgestützte Klimapolitik Wirkung entfalten kann, zeigt das aktuelle Energiekonzept des Kantons St.Gallen. Thomas Wartberger, Projektleiter des Energiekonzepts 2021–2030, erläuterte, dass die gemeinsamen Anstrengungen bereits messbare Effekte zeigen. «Die Emissionen in den Sektoren Wirtschaft und Haushalt gehen deutlich zurück», sagte er. Insbesondere beim Ausbau der Photovoltaik sei die Entwicklung erfreulich. Gleichzeitig verwies Wartberger auf Herausforderungen im Verkehrssektor, wo die Emissionen trotz höherem öffentlichen Verkehrsaufkommen stagnieren. Die Massnahmen seien jedoch erst seit kurzer Zeit in Kraft, weshalb er das Potenzial für eine nachhaltigere Mobilität weiterhin hoch einschätzt. Finanzielle Anreize und gesellschaftliche Akzeptanz gelten als entscheidende Faktoren für die Transformation. Pascal Egloff, Leiter des Kompetenzzentrums Banking und Finance an der OST, betonte, viele Menschen wollten grundsätzlich in erneuerbare Energien investieren. «Die meisten Menschen würden gerne in erneuerbare Energien investieren – aber es muss sich lohnen», sagte er. Aus seiner Sicht braucht es geringere Kosten, effizientere Bewilligungsverfahren und weniger Unsicherheit für Investorinnen und Investoren. Damit solche Projekte Realität werden, braucht es aber auch sozialen Rückhalt. Diesen Aspekt hob Corinna Semling, Leiterin des Kompetenzteams Personal, Kultur und Veränderung bei der BET Consulting GmbH, hervor, die den Prozess der Beteiligung als Schlüssel bezeichnete. «Alle an einen Tisch bringen, Interessen ausloten, Positionen klären, nachvollziehbare Grundannahmen schaffen», beschrieb sie den Weg zu einer Zusammenarbeit, die Betroffene zu aktiven Beteiligten macht. Ihrer Erfahrung nach baut solch ein Vorgehen Vertrauen auf und erleichtert die Umsetzung anspruchsvoller Energieprojekte.
Wie gemeinschaftliche Energiewende konkret aussehen kann, wurde anhand zweier regionaler Projekte deutlich. Der Windpark Wartau gehört zu den ersten Windenergieanlagen der Schweiz, die gemeinsam von der öffentlichen Hand und der Bevölkerung getragen werden. Ewald Strolz, Präsident der Elektro- und Wasserkooperation Wartau, bezeichnete das Vorhaben als «speziell», weil ausschliesslich lokale Akteure eingebunden seien und sich die Bevölkerung direkt beteiligen könne. Dadurch entstehe ein Projekt «von der Region für die Region», das einen grossen Teil des lokalen Strombedarfs decken soll. Im Toggenburg wiederum zeigt die rwt Regionalwerk Toggenburg AG, wie CO₂-neutrale Wärmeversorgung umgesetzt werden kann. Geschäftsführer Richard Scheerer erklärte, Fernwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage Bazenheid ermögliche nicht nur eine klimaneutrale Versorgung, sondern auch regionale Wertschöpfung. Entscheidend sei, die Menschen frühzeitig einzubeziehen, um das Netz zukunftsfähig auszubauen.
Die Richtung, in die sich das Energiesystem der Ostschweiz entwickeln muss, war unter den Referierenden unbestritten. Stefan Bertsch, Leiter des IES Institut für Energiesysteme der OST, brachte die gemeinsame Haltung auf den Punkt: «Die Zukunft wird elektrisch.» Die notwendigen Technologien seien vorhanden, die Lösungen erprobt. Nun müsse die Umsetzung mit Nachdruck vorangetrieben werden. «Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Die Umsetzung liegt an uns», sagte Bertsch. Aus seiner Sicht wird die Transformation umso günstiger, je schneller sie erfolgt, denn «Energieoptimieren spart Geld».
sj/pd
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