Reiselust auf Sparflamme: Warum viele Ostschweizer dieses Jahr zögern
Die Reisebranche steht vor Herausforderungen. Michael Mettler von Helbling Reisen in Gossau über Reisetrends und steigende Kerosinpreise.
Michael Mettler zusammen mit seiner Tochter während der dreiwöchigen Reise durch Namibia und Botswana.
Die Reisebranche steht vor Herausforderungen. Michael Mettler von Helbling Reisen in Gossau über Reisetrends und steigende Kerosinpreise.
Die Sommerferien stehen vor der Tür. Wohin zieht es die Gossauerinnen und Gossauer dieses Jahr hauptsächlich?
Michael Mettler: Das Sommerferiengeschäft hat sich in den letzten Jahren spürbar verändert. Viele Kundinnen und Kunden aus der Ostschweiz reisen vermehrt im Herbst in klassische Mittelmeer-Destinationen. Im Sommer selbst bleiben viele in der Schweiz oder reisen ins nahe Ausland. Alternativ gewinnen kühlere Destinationen wie Skandinavien an Beliebtheit. Dieses Jahr kommt zusätzlich eine gewisse Reisezurückhaltung hinzu, die die Nachfrage nach Sommerferien nochmals dämpft.
Welche Reisetrends beobachten Sie derzeit?
Im Trend liegen momentan insbesondere Kreuzfahrten, Reisen nach Skandinavien sowie ausgewählte Fernziele. Dazu zählen beispielsweise Kanada, das südliche Afrika oder Sri Lanka. Ein klarer Trend bleibt das frühzeitige Buchen: Frühbucherinnen und Frühbucher profitieren in der Regel von besseren Preisen und einer grösseren Auswahl.
Branchenumfragen zeigen, dass das Sommergeschäft nicht wie erwartet gelaufen ist. Trifft das auch bei Helbling Reisen zu?
Ja, wir verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr einen Umsatzrückgang von rund 20 Prozent im aktuellen Sommergeschäft.
Welche sind in erster Linie die Hauptgründe dafür?
Ein wesentlicher Faktor ist die aktuell spürbare Reisezurückhaltung. Ein Grund dafür sind die anhaltend negativen Schlagzeilen rund um den Mittleren Osten. Dazu kommen die Unsicherheit bezüglich möglicher Auswirkungen auf Energiepreise und Flugkosten.
Welche Auswirkungen hatte das auf die einzelnen Destinationen?
Besonders vom Buchungsrückgang betroffen sind Destinationen im Mittleren Osten sowie im östlichen Mittelmeerraum. Gewisse Regionen im westlichen Mittelmeer konnten hingegen zulegen.
Welchen Einfluss haben die höheren Kerosinpreise und die Verschiebung der Nachfrage in andere Gebiete auf die durchschnittlichen Kosten für Pauschalreisen?
Bislang haben nur wenige Fluggesellschaften ihre Preise aufgrund höherer Kerosinkosten angepasst. Der Einfluss auf die Gesamtkosten ist deshalb momentan eher gering. Deutlich stärker wirkt sich die Verschiebung der Nachfrage aus: Beliebte Regionen im westlichen Mittelmeer haben preislich angezogen, während andere Destinationen – beispielsweise Griechenland – teilweise noch sehr attraktive Angebote mit guter Verfügbarkeit aufweisen.
Werden die gestiegenen Treibstoffkosten im Nachhinein an die Kundinnen und Kunden weitergegeben?
Teilweise ja. Einige Fluggesellschaften haben per 1. Mai diesen Jahres Treibstoffzuschläge für Neubuchungen eingeführt. Andere – insbesondere kleinere, lokale Anbieter – verrechnen solche Zuschläge auch unabhängig vom Buchungsdatum für künftige Abflüge. Ein typisches Beispiel dafür sind kleinere, lokale Fluggesellschaften, etwa Safari-Flüge im südlichen Afrika. Diese reagieren flexibel auf die steigenden Treibstoffkosten und führen Zuschläge kurzfristig ein. Bei grossen internationalen Airlines hingegen wird dies meist nur für Neubuchungen umgesetzt.
Wie sieht es betreffend Nachfrage für den Herbst und die anstehende Wintersaison aus?
Wir bearbeiten bereits Anfragen und Offerten für Abreisen im Winter 2026/27 sowie für Reisen im Jahr 2027. Diese lange Vorlaufzeit ist eher ungewöhnlich und zeigt, dass ein Teil der Kundschaft wieder stärker vorausplant.
Welche Trends zeichnen sich für diese Buchungsperioden ab?
Klare Trends lassen sich heute noch kaum erkennen. Auffällig ist jedoch, dass insbesondere Fernreisen wieder verstärkt nachgefragt werden.
Zum Schluss: Wo verbringen Sie Ihre Sommerferien?
Ich durfte bereits im Frühling drei Wochen in Namibia und Botswana verbringen. Die nächsten Ferien stehen aus beruflichen Gründen erst wieder im Herbst an.
Interview: Markus Fässler
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