Bischof Konrad von Konstanz. z.V.g.
21.05.2024 17:00
Grosser Helfer des Klosters St.Gallen
Bischof Konrad von Konstanz wurde vor 900 Jahren heiliggesprochen
Bischof Konrad von Konstanz (900 bis 975) unterhielt enge Beziehungen zum Kloster St.Gallen und zeigte sich in Zeiten der Not äusserst freigebig. Er war den St.Galler Mönchen in hohem Masse zugetan und half ideell und materiell in schwierigen Zeiten.
Klostergeschichte Zwischen 760 und 854 waren die Bischöfe von Konstanz zeitweise in Personaluniton auch Äbte von St.Gallen. Dies bildete die Grundlage für die Gebetsverbrüderungen zwischen Kloster und Konstanzer Domkapitel. Gerade aber zu Bischof Konrad, der die Verbrüderung mehrfach erneuerte, pflegte das Kloster besonders engen und persönlichen Kontakt. Die besondere Verehrung für Konrad drückte sich in St.Gallen nach Ekkehards Schilderung nicht nur im gemeinsamen Schulterschluss gegen den Reichenauer Reformabt Ruodmann (972 bis 985) aus, sondern vor allem in den regelmässigen gemeinsamen Feiern mit den St.Galler Klosterbrüdern. Ekkehard würdigte auch Konrads Charakterzüge mehrfach. Es zeigte sich schon vor der Kanonisierung Konrads Zeichen grosser Verehrung.
Die Legende von der Spinne im Kelch
Konrad wird häufig mit Kelch dargestellt, auf welchem eine Spinne sitzt. Einer im Mittelalter entstandenen Legende zufolge soll Konrad, als während einer Messe eine Spinne in den Messwein fiel, diese mitgetrunken haben, da er den bereits umgewandelten Wein nicht wegschütten wollte oder durfte. Später sei die Spinne unbeschadet wieder aus dem Mund gekommen und freigelassen worden. Die immer wieder anzutreffende Behauptung, Konrad habe im Kloster St.Gallen schon die Schulen besucht, stellt Johannes Duft in seiner aufschlussreichen Schrift «Bischof Konrad und St.Gallen» in Abrede. Gemäss Duft hätte dies Ekkehart IV in «Casus sancti Galli» sicher erwähnt, wenn dem so wäre. Denn Ekkehart IV erwähnte Konrad in nicht weniger als neun Kapiteln.
Die erste grosse Spende von 968
Aufschlussreich ist der Bericht über den Besuch des Bischofs in St.Gallen vom 11. bis 13. April 968, der in einem Sammelband mit wichtigen historischen Texten in der Stiftsbibliothek (Codex 915) zu lesen ist. Der Besuch hatte persönlichen und amtlichen Charakter. Konrad wurde ehrenvoll empfangen, worauf er zur Feier seines Geburtstages eine grosse Spende überreichte, die dem Kloster erlaubte, täglich bis zu Konrads Tod die Armen zu versorgen. Als Gegengabe bat er um den Liebesdienst, man möge im Gebet, das täglich von allen in der auf dem Friedhof gelegenen St.Peters-Kapelle für den Kaiser und die anderen Wohltäter und Schützer verrichtet wurde, den 142. Psalm für ihn singen und in die dort für die Verstorbenen darzubringenden Messe drei Oratorien für ihn einfügen. Am Palmsonntag trug Konrad in der Prozession das mit Palmen geschmückte Kreuz. Er feierte die Messe, erteilte mehreren Mönchen und Klerikern die Weihen verschiedener Stufen, hielt eine öffentliche Predigt und spendete Ungezählten beiderlei Geschlechts die Firmung.
Wohlwollende Sorge um das Kloster
In seinen Schilderungen konnte sich Ekkehart IV auf Zeitgenossen Konrads berufen. Die persönlichen Beziehungen Konrads zu St.Gallen waren nach Ekkehard dreifach: Sie bestanden in der wohlwollenden Sorge für Abt Purchart I, mit dem er in Gebetsverbrüderung stand. Sie zeigten sich sodann in der Abwehr des reformerischen Reichenauer Abtes Ruodmann und in der Beteiligung an den durch den Kaiser verordneten Visitationen. Dem Abt Purchart I erlaubte Konrad wegen dessen gefährdeter Gesundheit den sonst untersagten Fleischgenuss. Ekkehart berichtet auch, dass die Kapelle, die Purchart am Ort erbauen liess, an dem Gallus in die Dornen gefallen ist, durch Konrad zu Ehren des heiligen Kreuzes und des heiligen Gallus geweiht wurde.
Schutz vor reformerischen Auseinandersetzungen
Delikater war der Einsatz des Bischofs für St.Gallen, als es galt, die Abtei in den reformerischen Auseinandersetzungen jener Zeit zu schützen. Die Auseinandersetzungen führten letztlich zu einer von Kaiser Otto I angeordneten Visitation der Abtei und mehrerer Bischöfe und Äbte. Als Purchart auf Verpflegungsschwierigkeiten für so viele ungebetene Gäste hinwies, soll Abt Ruodmann von der Reichenau vor dem Kaiser den ebenfalls anwesenden Bischof um finanzielle Hilfe gebeten haben. Dieser begehrte mit seiner rauen Stimme auf: «Keineswegs! Du allein hast es eingebrockt, du allein sollst es ausfressen.» Als die Umstehenden zu lachen begannen, fügte er bei, er wolle mit dem Ankläger von Brüdern nichts gemein haben. Als die Visitation zu Ende war, soll Konrad beim feierlichen Abschied ein besonderes Versprechen abgelegt haben: «Weil ich meinen Söhnen auch örtlich näher bin als die anderen Verbrüderten, verspreche ich: Zum Andenken an sie und mich werde ich euch alle drei Tage jährlich so lange ich leben werde, im Refektorium Liebesdienste («Liebesmähler») erweisen.» Konrad erfüllte sein Versprechen und nahm an den Liebesmählern, so oft er frei war, selbst teil. Dem Abt setzte er die Speisen vor und umrundete die Tische, mischte die Gespräche nach Zustimmung des Abtes mit Ernst und Scherz. Diese Liebe zu den Mönchen hielt auch in Zeiten wirtschaftlicher Not. Aus Konstanz und aus Arbon übersandte er Hilfsmittel für Greise und Schwache. Bei dieser Hilfsbereitschaft verwundert es nicht, dass Bischof Konrads Andenken im Kloster St.Gallen stets lebendig blieb.
Von Franz Welte