Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Von links: Stefan Saxer, CFO, Christine Bolt, CEO, und Thomas Scheitlin, Noch-Verwaltungsratspräsident.
Die Olma Messen St.Gallen AG schliesst das Geschäftsjahr 2025 mit einer deutlichen Verbesserung des operativen Ergebnisses ab. Der EBITDA stieg um 47 Prozent auf 5,9 Millionen Franken, und erstmals seit 2019 weist das Unternehmen wieder ein positives operatives Ergebnis aus. Gleichzeitig geht mit Thomas Scheitlin nach 19 Jahren eine prägende Ära zu Ende.
Messeveranstalter Der Reformkurs der vergangenen Jahre zeigt Wirkung. Nach dem Einbruch durch die Pandemie und den denkbar ungünstigen Zeitpunkt des Baus der SGKB-Halle kurz vor Covid hat das Unternehmen die Trendwende geschafft. Der EBIT liegt bei 0,4 Millionen Franken, nach einem Minus von 1,2 Millionen im Vorjahr. Der Jahresverlust halbierte sich von 3,7 auf 1,8 Millionen Franken – ein Wert, der der langfristigen Finanzplanung entspricht. Der Betriebsertrag sank zwar von 31,8 auf 29,1 Millionen Franken, doch Finanzchef Stefan Saxer gibt Entwarnung: Der Rückgang sei auf unterschiedliche Abrechnungsmodelle im Veranstaltungsbereich zurückzuführen. 2024 seien Fremdleistungen von über 3 Millionen Franken zugekauft worden, deren Kosten an die Kundschaft weitergegeben worden seien. Da nun mehr selbst erbracht werde, sinke zwar der Ertrag, aber im gleichen Mass auch der Aufwand. Die operative Rentabilität bleibe davon unberührt.
Die Eigenkapitalquote liegt unverändert bei 30 Prozent, auch dank der vierten Tranche der Kapitalerhöhung von 1,7 Millionen Franken. Die verbesserte Liquidität erlaubte es dem Unternehmen, sämtliche Covid-Unterstützungskredite frühzeitig zurückzubezahlen. Für die kommenden Jahre sieht der langfristige Finanzplan weiterhin kleinere Verluste vor. In den Jahren 2029 oder 2030 sollen die Olma Messen wieder ein positives Jahresergebnis ausweisen können.
2025 war für die Olma Messen ein ereignisreiches Jahr: Fünf Eigenmessen, 119 weitere Veranstaltungen und rund 620'000 Besuchende prägten das Geschäftsjahr. Die OLMA bestätigte ihre Rolle als erfolgreichste und beliebteste Publikumsmesse der Schweiz – mit dem Gastkanton Wallis, Sonderschauen zu Künstlicher Intelligenz und dem «open art museum». Weitere Höhepunkte waren die neue strategische Partnerschaft mit den FC St.Gallen Frauen, die Premiere des OLMA Openair sowie das 100-Jahr-Jubiläum von Camion Transport, das von den Olma Messen als Generalunternehmerin von der Konzeption bis zur Umsetzung realisiert wurde. Zudem erhielten die Olma Messen gemeinsam mit Stadt und Kanton St.Gallen die Zusage für die Austragung der Berufsmeisterschaften SwissSkills 2029.
CEO Christine Bolt zieht eine positive Bilanz: «Die umfassende Transformation des Unternehmens in den vergangenen Jahren – inklusive Neuorganisation – ist heute voll wirksam und im Alltag spürbar. Die Flexibilität unserer Organisation, die konsequente Markt- und Kundenorientierung sowie neue Produkte und Veranstaltungen zahlen sich aus. Das belegen die starken Kennzahlen ebenso wie die positive Resonanz unserer Kundinnen und Kunden.»
Die für die Wachstumsstrategie notwendige Transformation ist laut den Olma Messen weitgehend abgeschlossen. 90 Mitarbeitende bilden den Kern des Betriebs. Investiert wird gezielt in Führung, Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Belegschaft. Gleichzeitig wird das Unternehmen digital weiterentwickelt, unter anderem im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Nach dem Effizienzprogramm von Ende 2024, das auch Kündigungen beinhaltete, seien die grossen Sprünge in den Jahresabschlüssen vorbei, so Finanzchef Saxer.
Für 2026 und die kommenden Jahre stehen mehrere neue Formate in den Startlöchern: Mit der preXcon wird die SGKB-Halle vom 3. bis 5. November 2026 zur Plattform der High-Tech-Industrie. Das erste Schlagerfestival St.Gallen feiert am 30. Mai 2026 Premiere. Weitere Highlights sind die 48. OFFA im neuen Look sowie die 83. OLMA mit dem Gastkanton Schwyz, einer Jubiläumsschau der Schweizer Armee und der neuen «OLMA Action Area».
Neben dem Veranstaltungsgeschäft gewinnt die Areal- und Immobilienentwicklung strategisch an Bedeutung. Bolt sagt dazu: «Wir möchten das Olma-Areal weiterentwickeln. Es läuft zwar schon sehr vieles, insgesamt könnte das Gelände aber städtebaulich noch viel besser genutzt werden. Es gäbe sicher noch mehr Nutzungsformen, die unser Kerngeschäft ergänzen und bereichern könnten.» Die Bereiche Wohnen, Arbeiten, Bildung und Gewerbe würden nun geprüft. Eine früher ins Spiel gebrachte Kooperation mit der HSG als Uni-Standort hat sich zerschlagen – seitens der Hochschule bestehe derzeit wenig Bedarf. Die Stadt St.Gallen ist als wichtiger Partner in die Arealentwicklung eingebunden.
An der dritten ordentlichen Generalversammlung vom 14. April 2026 endet nach 19 Jahren die Ära von Verwaltungsratspräsident Thomas Scheitlin. Er führte die Olma Messen durch die turbulenten Jahre der Pandemie und der SGKB-Hallen-Finanzierung und begleitet das Unternehmen nun in ruhigeres Fahrwasser. Scheitlin blickt zufrieden zurück: «Der Zeitpunkt für meinen Rücktritt hätte nicht zu einem besseren Zeitpunkt kommen können. Wir haben eine erfolgreiche Unternehmenstransformation abgeschlossen und weisen ein gutes Jahresergebnis aus. Das Ergebnis 2025 hat gezeigt, dass wir nach der Pandemie die Weichen für die Zukunft richtig gestellt haben. Der neue Verwaltungsratspräsident kann nun die weitere Entwicklung in Angriff nehmen.»
Als Nachfolger wurde Markus Streckeisen nominiert, der lange im Immobiliensektor der SBB tätig war und mehrere Verwaltungsratsmandate im Immobilienbereich hält. Angesichts der wachsenden Bedeutung der Arealentwicklung habe der Verwaltungsrat bei der Nachfolgesuche gezielt nach Immobilienkompetenz gesucht – und mit Streckeisen die passende Person gefunden. Seine Wahl erfolgt an der Generalversammlung vom 14. April 2026, im Rahmen derer auch die OFFA-Eröffnung stattfindet – exklusiv zugänglich für Aktionärinnen und Aktionäre.
Selim Jung
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