Unser Wald droht zu sterben! Jetzt soll die Eiche ihn retten
Der Hitzesommer hat dem Wald der Ortsbürgergemeinde St.Gallen zugesetzt. Neue, hitzeresistente Baumarten sollen ihn stärken. Der Forstbetrieb bleibt trotzdem in den schwarzen Zahlen.
Urban Hettich, Leiter Forst und Natur der Ortsbürgergemeinde St.Gallen. ⋌z.V.g.
Der Hitzesommer hat dem Wald der Ortsbürgergemeinde St.Gallen zugesetzt. Neue, hitzeresistente Baumarten sollen ihn stärken. Der Forstbetrieb bleibt trotzdem in den schwarzen Zahlen.
Zusatzfällungen Urban Hettich, Leiter Forst und Natur, sagt, dass die Trockenheit an vielen Orten Buchen zum Absterben gebracht hat. Andere sind so stark geschwächt, dass sie im nächsten Jahr eingehen. Auch Weisstannen sind geschädigt, zumindest teilweise durch den Krummzähnigen Tannenborkenkäfer. Rund 800 Kubikmeter Fichtenholz mussten gefällt werden, weil der Borkenkäfer Buchdrucker sie befallen hatte. Das sind etwa 32 voll beladene Lastwagen mit Anhänger. Der Buchdrucker profitierte stark vom warmen, trockenen Wetter. Insgesamt halten sich die Schäden laut Hettich aber noch in Grenzen. Schwierig wird es, wenn auch das Jahr 2027 trocken und warm ausfällt. Der Wald braucht jetzt eine Phase mit viel Wasser.
Zusätzliche Schäden durch Sturm
Zusätzlich zu den Hitzeschäden hat nach Hettich ein Gewittersturm Anfang August im Bereich Berneggwald, Falkenwald, Ringelberg und Brandtobel zahlreiche Bäume geschädigt und mussten aufgerüstet werden. Insbesondere nach diesem Gewittersturm mussten Bäume von Waldstrassen und Waldwegen entfernt werden, um diese für die Waldbesucher wieder durchgängig zu machen. Dabei sind auch kleine Schäden an den Wegen und Strassen entstanden, die repariert werden mussten. Ist nun für Spaziergänger in jedem Fall wieder Sicherheit gegeben? Hettich antwortet, dass diesbezüglich keine Garantie geboten werden kann. Bei starkem Wind ist das Aufsuchen des Waldes weiterhin nicht ratsam, weil sich dann immer noch Äste von geschwächten Bäumen lösen können.
Keine roten Zahlen in Sicht
Hettich rechnet nicht damit, dass die bisherigen Schäden den Forstbetrieb in die roten Zahlen treiben. Das Käferholz liess sich kostendeckend verkaufen, der Markt ist stabil. Kommen aber weitere Schäden hinzu, belastet das mittelfristig die Rechnung, weil immer mehr Jungwald gepflegt werden muss. Erleichtert ist Hettich, dass der Bund die geplante Kürzung der Beiträge an die Waldbewirtschaftung zurückgenommen hat. Sie hätte auch die Ortsbürgergemeinde getroffen.
Das Feuerverbot im Sommer galt auch für die Grillstellen. Laut Hettich hielt sich die grosse Mehrheit daran, ihm ist nur ein Verstoss bekannt. Schäden durch Rothirsche stellt Hettich in den Wäldern der Ortsbürgergemeinde derzeit nicht fest. Die überarbeitete Jagdverordnung stärkt seine Hoffnung, dass es so bleibt. Zudem ist das Verhältnis zu den Jagdgesellschaften gut, meist findet man gemeinsam eine Lösung.
Sperren werden häufig missachtet
Auch die vielen Erholungssuchenden hinterlassen Spuren. An Feuerstellen und Ruhebänken kommt es laut Hettich immer wieder zu Vandalismus, gravierend sei die Lage aber nicht. Das grösste Problem ist liegengelassener Abfall, der zusätzlichen Aufwand verursacht. Zudem werden Sperrungen bei Baumfällungen oft missachtet. Deshalb muss Personal für die Sicherheit sorgen. Das kostet viel Aufwand und ist gefährlich. Äste von gefällten Bäumen bleiben aus ökologischen Gründen seit längerem im Wald liegen. Früher befürchtete man, das ziehe Schädlinge an. Hettich ist aber kein Schädling bekannt, der davon profitiert. Im Gegenteil, Totholz ist wichtig. Es bietet Lebensraum und Nahrung für Tiere, die Waldschädlinge bekämpfen.
Artenvielfalt wird angestrebt
Damit der Wald trotz des Klimawandels robust bleibt, sorgt die Ortsbürgergemeinde bei den neuen Baumpflanzungen für Arten, die heissere Perioden besser ertragen, und eine gute Artendurchmischung. Während auf die Pflanzung der Rottanne verzichtet wird, werden mehr Eichen, Stieleichen, Traubeneichen, Edelkastanien, Douglasien, Waldkiefern, Vogelbeerbäume und Mehlbeeren gepflanzt. So entsteht auch eine Vielfalt, die den Wald für Spaziergänger noch attraktiver macht, obwohl die langfristige Stabilität des Waldes im Vordergrund steht. Dabei werden die verschiedenen Arten nicht einzeln, sondern in Gruppen gepflanzt, weil die Aufzucht so besser möglich ist. Um in der weiteren Zukunft bestmögliche Resultate zu erzielen, entwickelt die Ortsbürgergemeinde zurzeit ein Konzept für den Waldumbau im Hinblick auf den Klimawandel zu den am besten geeigneten hitzeresistenten Arten in der Region St.Gallen.
Von Franz Welte
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