Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Das Kino Cinétreff konnte dank Gründung des Vereins weitergeführt werden. z.V.g.
Seit 26 Jahren hat Herisau ein Kino – den Cinétreff. Der Verein Cinétreff feiert in diesem Jahr sein 15-Jahr-Jubiläum und hat dazu ein Programm auf die Beine gestellt.
Jubiläum Im Jahr 2000 eröffnete das Kino Cinétreff in Herisau und die Gäste strömten zahlreich dorthin. «Es lief unglaublich gut in jenem Jahr und das hielt sich – zumindest bis zur Eröffnung des Cinedome Abtwil. Da folgte ein kleiner Besuchereinbruch», erinnert sich Jonas Frei zurück. Er ist zuständig für die Leitung und das Programm. Die Eröffnung des grossen Kinos in Abtwil sollte aber nicht die letzte grössere Herausforderung für das Kino in Herisau sein. «Es folgte die Digitalisierung und wir mussten den Betrieb von 35mm-Film auf digitale Dateien umstellen», so Frei. Neue Projektoren mussten her, ansonsten hätte der Kinobetrieb gar nicht mehr weitergeführt werden können. Das Problem: Die Kosten dafür bewegten sich in einem Bereich, den das Kino nicht stemmen konnte. Der Cinétreff hätte rund 100'000 Franken aufwenden müssen. «Das war der Grund, weshalb wir aufgehört hatten», meint Frei. Das war 2010. Dass Herisau fortan kein Kino mehr haben sollte, wollte man aber nicht einfach hinnehmen. Der heutige Regierungsrat Yves Noël Balmer gründete den Verein und fand Mitstreiter. «Durch diesen Verein war es erst möglich,öffentliche Gelder oder Stiftungs-gelder anzufragen, die wir für die Digitalisierung brauchten», meint Frei. Als gewinnorientierte GmbH ist das unmöglich, dort bräuchte es Investoren. «Der Kanton, die Gemeinde Herisau und diverse Stiftungen haben die Digitalisierung ermöglicht und das Kino konnte weitergeführt werden», so Frei. Seit der Verein besteht, sei der Betrieb gut gelaufen, die Zahlen waren nicht schlecht. Frei war in dieser Zeit nicht mehr im Cinétreff tätig, 2010 hat es ihn woanders hingezogen und das Kino wurde rund zehn Jahre von Michael Hefti geleitet. 2020 hat Frei ausserdem das Kino Uznach übernommen – mitten in der Pandemie. «Hefti hat mich 2022 angefragt, ob ich auch in Herisau wieder übernehmen wolle, was ich dann tat», erinnert sich Frei. Hauptberuflich betreibt er ausserdem einen Filmverleih.
Die Pandemie war für den Cinétreff eine weitere, grössere Herausforderung – wie für alle Kinos und Kulturbetriebe. Es habe dann auch eine Weile gebraucht, bis der Betrieb wieder angekurbelt werden konnte. «Die Gäste blieben nach Aufhebung der Massnahmen noch aus. Als Micheal Hefti 2023 aufhörte, habe ich übernommen und das Programm neu aufgebaut», sagt Frei. So hat er vom Monats- zum Wochenprogramm gewechselt. «Ich konnte dadurch stets reagieren, wenn ein Film nicht so gut oder sehr gut lief. Beim Monatsprogramm konnte man nicht darauf reagieren», sagt Frei. Mit dem Wochenprogramm könne er heute das Maximum herausholen. «Bei den Besucherinnen und Besuchern ist das gut angekommen. Wir merkten sofort, dass wieder mehr Gäste kommen. Inzwischen sind wir wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie», meint Frei.
Auch heute wird der Verein noch unterstützt. Von der Gemeinde Herisau kommt jährlich ein Beitrag von 15'000 Franken. «Wir kommen so sehr gut über die Runden. Würde eine grössere Investition anstehen, sähe das wieder anders aus.» Doch er ist sicher, dass es auch dann Stiftungen gäbe, die bereit wären, den Verein und somit den Kinobetrieb zu unterstützen. Nebst Digitalisierung und Pandemie bestand kurzfristig auch ein kleiner Einbruch aufgrund der aufgekommenen Streamingdienste wie Netflix. «Dieser Boom ist aber inzwischen auch etwas abgeflacht – die Branche zeigt sich aktuell zufrieden», sagt Frei. Klar sei aber dennoch, dass der Kinobetrieb – egal ob im ländlichen oder städtischen Gebiet – nicht wahnsinnig lukrativ sei. «Mit Kinobetrieben wird man nicht mehr reich. Aber das ist in Ordnung, man sollte es als kulturellen Beitrag für das Dorf betrachten», sagt Frei. Das bringe Vielfalt hinein. So müsse ein Kinobesuch als Erlebnis betrachtet werden. «Ich gehe selbst gerne ins Kino – eine grosse Leinwand und guter Ton machen einen Film schon spezieller, als wenn man ihn zuhause schaut», sagt Frei.
Im vergangenen Jahr liefen im Cinétreff einige erfolgreiche Filme. «Hölde» beispielsweise hielt sich sehr lange im Kinoprogramm und war gut besucht. «Es sind schon die Schweizer Produktionen, dank denen es in den vergangenen zwei Jahren so gut lief. 2024 und 2025 waren wirklich gute Kino-Jahre», so Frei. Und nun steht über das Jahr verteilt das 15-Jahr-Jubiläum des Vereins Cinétreff auf dem Programm. Das zehnjährige Bestehen des Vereins konnte aufgrund der Pandemie nicht gefeiert werden. «Wir werden über das Jahr verteilt die Top-Cinétreff-Filme der vergangenen 15 Jahre zeigen – es sind gesamt 24 Filme, zwei liefen bereits», sagt Frei. Diese seien gut angekommen, weitere folgen im Februar. «Für den Sommer planen wir ein Openair auf dem Obstmarkt – dort werden dann von Freitag bis Sonntag Filme gezeigt. Den Donnerstag haben wir für die Mitarbeitenden und geladenen Gäste vorgesehen.»
Frei hat das Gefühl, dass der Verein und somit das Kino für die Zukunft gut aufgestellt sind. «Ich habe den Eindruck, dass wir derzeit das Optimum herausgefunden haben, wie der Betrieb gut funktioniert. Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass wir einmal in der Woche rund 550 Personen via Whatsapp informieren, was in der Woche läuft», sagt Frei. Das laufe besser als alles andere – und ist nicht mit hohen Kosten verbunden. «Ansonsten kann man hier in Herisau nicht mehr allzu viel optimieren.»
Stefanie Rohner
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