Cannabis aus der Apotheke oder direkt per Post: So läuft das neue St. Galler Experiment
Ein Pilotprojekt erlaubt es 3 300 Personen im Kanton St. Gallen, Cannabis legal zu beziehen. Im Kanton wird das Gras erstmals auch per Post geliefert.
Im November können die ersten Probandinnen und Probanden legal Cannabis im Kanton St.Gallen kaufen. Bild: pd
Ein Pilotprojekt erlaubt es 3 300 Personen im Kanton St. Gallen, Cannabis legal zu beziehen. Im Kanton wird das Gras erstmals auch per Post geliefert.
Pilotprojekt Eigentlich ist der Kauf sowie Konsum von Cannabis mit mehr als 1 % THC (Tetrahydrocannabinol) in der gesamten Schweiz verboten.
Im Kanton St. Gallen aber liefert schon bald der Postbote das Gras, das bestellt wurde. Was sich nach einer föderalistischen Ausnahme anhört, ist in Tat und Wahrheit einem Pilot-Projekt vom Verein Swiss Cannabis Research zurückzuführen. Wie Paul-Lukas Good, Präsident des Vereins Swiss Cannabis Research, am Dienstag an einer Pressekonferenz erzählte, startet nun eine neue Cannabis-Studie mit bis zu 5000 Teilnehmenden im Kanton. Begleitet wird die Studie von Forschenden der Universität Zürich und des KOF der ETH Zürich.
Post bringt das Gras
Rund 3300 Teilnehmende sollen während fünf Jahren Cannabis im Kanton St. Gallen legal beziehen können. Ein Drittel der Teilnehmenden wird einer Kontrollgruppe zugeteilt und erhält keinen Zugang zu legalem Cannabis.
Für die Teilnahme gelten gesetzliche Vorgaben. Zugelassen werden nur volljährige Personen, die bereits Cannabis konsumieren. Schwangere, stillende Personen sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind ausgeschlossen. Anmelden können sich Personen aus teilnehmenden Gemeinden im Kanton St. Gallen. Die Aufnahmegespräche finden in St. Gallen, Winterthur und Zürich statt. Der Verein rechnet damit, dass die Studienteilnehmenden im Kanton St. Gallen voraussichtlich ab Herbst 2026 ihre Cannabisprodukte in Apotheken in Sargans, Buchs und Rorschach wie auch in eigens vom Verein betriebenen Swiss Cannabis Centern in Wil und Rapperswil beziehen können. «Bislang haben wir von der Stadt St. Gallen noch keine Bewilligung für eine Verkaufsstelle erhalten. Wir sind aber mit der Stadt in Kontakt und suchen gemeinsam eine Lösung», sagt Paul-Lukas Good. Ebenfalls können Teilnehmende sich das Gras auch per Post liefern lassen.
Fokus auf wirtschaftlichen Folgen
«Der Fokus unserer Studie liegt auf den ökonomischen und sozialen Folgen der Cannabislegalisierung, die wir für eine verantwortungsvolle Regulierung von Cannabisprodukten untersuchen werden. Unser Ziel ist es, mit innovativen Forschungsdesigns wissenschaftliche Grundlagen für den politischen Entscheidungsprozess zu schaffen», sagt Paul-Lukas Good, Präsident des Vereins Swiss Cannabis Research. Erste Ergebnisse werden frühestens nach ein bis zwei Jahren erwartet. Die Studie soll insgesamt fünf Jahre dauern.
Der Verein Swiss Cannabis Research führt bereits im Kanton Zürich einen Pilotversuch durch. Dort nehmen laut eigenen Angaben mehr als 7000 Personen teil. Rund zwei Drittel von ihnen können Cannabis legal beziehen.
Gras vom Postboten
Neu ist im St. Galler Projekt unter anderem die Möglichkeit, Cannabisprodukte per Post zu bestellen. Der Verein will damit auch Erkenntnisse über verschiedene Vertriebswege gewinnen. «Der Postversand ist ein wesentlicher Bestandteil des
Forschungsprojekts und soll niederschwellige Bezugsformen erforschen», so Good, Präsident des Vereins Swiss Cannabis Research.
Es habe für dieses Vorhaben keine spezielle Bewilligung gebraucht. «Die Analyse verschiedener Vertriebsmodelle ist Teil des Forschungskonzepts, welches vom BAG begutachtet und gutgeheissen wurde», so Good weiter.
Grundlagen für Diskurs schaffen
Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt ein unabhängiges Forschungsteam der Universität Zürich und des KOF der ETH Zürich. Die medizinische Betreuung der Teilnehmenden erfolgt durch das Zentrum für Suchtmedizin Arud.
Mit dem Pilotversuch sollen Grundlagen für die politische Diskussion über den künftigen Umgang mit THC-haltigem Cannabis geschaffen werden.
Marino Walser
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