Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Während acht Wochen lasen die Primarschülerinnen und -schüler so viele Seiten wie möglich, wobei sie von ihren Sponsoren pro gelesene Seite oder pauschal mit einem Betrag unterstützt wurden. Mit dem «erlesenen» Geld werden in Madagaskar eine Schule erweitert und eine Bibliothek gebaut.
Lesemotivation 228 Schülerinnen und Schüler der ersten bis sechsten Klasse haben in acht Wochen zusammen gut 260'000 Seiten gelesen und
damit 34’500 Franken gesammelt. Aber wie Projektleiterin und Bibliothekarin Tanja Biehle-Bischof weiss, ist die Erfahrung der Kinder, dass ihre Tätigkeit, ihr Engagement
eine Wirkung erzielt, viel wichtiger: «Die Schülerinnen und Schüler erleben, dass sie durch Lesen das Projekt in Madagaskar unterstützen und somit ganz direkt dazu beitragen, dass madagassische Kinder Lesen lernen dürfen», erzählt die 50-Jährige.
Während Lesen für einige Kinder zum Alltag gehört, betraten andere Kinder mit dem Projekt Neuland. «Durch das intensivere Training des Lesens wird die Lesefähigkeit verbessert», weiss Biehle-Bischof. Die Lesefähigkeit werde beobachtet, aber nicht gemessen. Wichtiger sei ohnehin das Gemeinschaftserlebnis und das Setzen eines Schwerpunktes auf die Leseförderung. Schliesslich bleibe Lesen eine wichtige Kompetenz, welche im Schulunterricht genutzt werde. Eines der Hauptziele des Sponsorenlesens, das die Primarschule Mörschwil bereits zum vierten Mal durchgeführt hat, sei denn auch, die Schülerinnen und Schüler zum Lesen zu animieren. «Sie erleben, wie sie durch das Lesen ihre persönliche Lesekompetenz fördern», erklärt die Projektleiterin, «und wenn die Schülerinnen und Schüler darüber hinaus erfahren, dass Lesen eine sinnstiftende, beruhigende und friedliche Aktivität ist, die positive Auswirkungen auf das Lernen und das Gemeinschaftsgefühl hat, dann haben wir viel erreicht.»
Damit jedes Schulkind das Sponsorenlesen einmal in der Primarschulzeit erlebt und mitmachen kann, wird es alle sechs Jahre durchgeführt. Auch wenn das Hauptziel, den Spass am Lesen generell und die Lesekompetenzen der Kinder im Speziellen zu fördern, im Vordergrund stehe, erfahren die Kinder zusätzlich einiges über Madagaskar und das Leben der Menschen vor Ort. «Natürlich haben die Schülerinnen und Schüler gewetteifert, doch ist das Projekt nicht als Wettbewerb angelegt», erklärt Biehle-Bischof. «Zu sehen, dass der Freund oder die Freundin noch mehr Seiten schafft, spornt die Kinder an.» Während drei Wochen fand «Silence – on lit» statt. Das bedeutete, dass alle Kinder und Mitarbeitenden der Schule gleichzeitig täglich während 15 Minuten in einem Buch lasen. Im Hinblick auf das Sponsorenlesen wurden neue Bücher angeschafft – insbesondere Reihen- und Comic-Romane seien bei den Kindern beliebt und die Schulbibliothek war während den Frühlingsferien zweimal geöffnet.
Das Gemeinschaftsprojekt startete im Februar mit einer Informationsveranstaltung und der Vorstellung der «Kinderhilfe Madagaskar – Zaza malagasy». Dabei erfuhren die Kinder viel Wissenswertes über Land, Leute und Bildung. Dann ging es daran, Sponsoren zu suchen. «Die Unterstützung erfolgte durch persönliche Sponsoren der Kinder, nicht über Unternehmen oder Organisationen», weiss die Bibliothekarin. Man habe die Umsetzung bewusst als Schulprojekt gestaltet und innerhalb des Unterrichts Aktivitäten wie beispielsweise die Herstellung von Etuis im Gestaltungsunterricht umgesetzt. An einem Madagaskar-Anlass wurden von Kindergartenkindern verzierte Bleistifte verkauft, ein Basar durchgeführt, eine Kimishibai-Geschichte erzählt, sowie ein Film über eine Schule in Madagaskar gezeigt. «Für den Anlass reisten extra madagassische Köche aus München zu uns, um traditionelle Speisen zu kochen», informiert Biehle-Bischof. Nach Abschluss der Lesephase erhielten die Kinder ein Lesediplom mit der persönlichen Leseleistung. An der gemeinsamen Abschlussveranstaltung erfuhren die Kinder, wie viele Seiten insgesamt gelesen wurden. «Wir hoffen, dass die Kinder durch das Projekt nachhaltig zum Lesen animiert werden und dass sie das positive Gefühl, gemeinsam das Leben der madagassischen Kinder verbessert zu haben, ein Leben lang in Erinnerung behalten», resümiert Biehle-Bischof.
Die Kinderhilfe Madagaskar ist ein Verein, der auf privater und ehrenamtlicher Basis versucht, Menschen in Madagaskar zu unterstützen. Dank enger Zusammenarbeit mit einer Madagassin, die in Antananarivo wohnt, sind die Vorhaben bestens betreut. Der Verein hilft Familien in Notsituationen und unterstützt die Grundausbildung von Kindern und Jugendlichen. Weitere Informationen unter: www.kinderhilfe- madagaskar.ch
Von Benjamin Schmid
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